Typisch New York: Herumsitzen bei den Trumps

Typisch New York: Herumsitzen bei den Trumps

Unter den Promis, die in New York wohnen, ist Donald Trump längst nicht der berühmteste. Ebenso wenig ist er der reichste New Yorker. Aber für Bescheidenheit ist er nun auch wieder nicht bekannt – und das zeigt sich im Stadtbild.

Mehrere Hochhäuser tragen den Namen des Reality-TV-Darstellers und Präsidentschaftskandidaten in goldglänzendem Dekor: Trump Palace, Trump Tower, Trump International Hotel, Trump World Tower – Trumps Geltungssucht hat versehentlich sogar ein Pausenplätzchen für müde Touristenhintern geschaffen. Aber der Reihe nach.

Anfang der 1980er ließ Donald Trump den größten Glaskasten der USA bauen. | © Petrina Engelke

Als er 1979 den Trump Tower plante, wollte Donald Trump den größten Glaskasten im ganzen Land sein eigen nennen, und dazu brauchte er eine Genehmigung. Denn in dieser Gegend Manhattans durfte man nicht so hoch hinaus, wie der zukünftige Hochhausbauer es sich erträumte.

Um grünes Licht für 20 weitere Stockwerke zu bekommen, ging er einen Deal ein, der seit Jahrzehnten in New York üblich ist: Mehr kassenklingenlassende Quadratmeter gegen Gratis-Raum für die Öffentlichkeit.

Die Ergebnisse dieser Deals nennen Insider POPS (Privately Owned Public Space; öffentlicher Raum in privater Hand). Hunderte solcher Orte gibt es in New York, und von früh bis spät laden sie jeden, der Lust hat, zum Flanieren und Verweilen ein. Doch das würde so mancher Immobilienhai gerne vertuschen.

Trump muss seine Lobby mit Normalsterblichen teilen

Rötlicher Marmor ziert die Eingangshalle des Gebäudes. Die damalige Trump-Gattin Ivana soll ihn höchstpersönlich in Italien ausgesucht haben. Weiter hinten im Gebäude plätschert gar ein Wasserfall über mehrere Stockwerke am Marmor herab. All dies müssen die Eigentumswohnungsbesitzer im Hause – darunter auch Donald Trump und seine derzeitige Gattin Melania – mit Normalsterblichen teilen.

Zu den Vorschriften für POPS gehört sogar, dass für eben jene nichtzahlenden Gäste Sitzplätze bereitgestellt werden müssen. Bei Trump nahmen sie die Form einer Bank aus schwarzem Marmor an, die gleich gegenüber von den Aufzügen stand. Allerdings nicht lange. Trump hatte eine bessere Idee.

Er ließ Verkaufstresen bauen, schließlich hatte er ja alle möglichen Geschäftsideen und jede Menge Zeug unter die Leute zu bringen, von T-Shirts bis Parfüm mit seinem Namen. Die Bank musste diesem Zeug weichen. Seine offizielle Begründung: Der Trump Tower hätte arge Probleme mit Gesocks, das sich da auf der Marmorbank niedersetze, das ginge ja nun nicht.

Ob das Gesocks als Zielgruppe für einen Devotionalien-Laden taugt, hat Trump nie verlauten lassen. Aber die Stadt New York kam ihm nach einer Weile auf die Schliche.

Trumps Scherereien mit der Bank (und zwar einer, auf der man sitzen kann)

Eine Strafe der Stadt von 4.000 Dollar führte nicht dazu, dass wieder eine Bank in der Lobby auftauchte. Im Gegenteil: Mit seinem Einstieg in die Politik hatte Trump plötzlich noch mehr Produkte, auf denen er seinen Namen unterbringen konnte.

Ein zweiter Verkaufskiosk und diverse, goldgerahmte Schaukastenschränke platzten auch schon aus allen Nähten. Zuerst kam Trump damit davon, aus dem Ruheplatz eine Kaufhalle zu machen. Doch dann stolperte er über seine Eitelkeit.

Er mochte sich so gerne in seinem güldenen Heim ablichten lassen, dass er zahlreiche Pressekonferenzen im Atrium des Trump Tower abhielt. Dafür schloss er wie selbstverständlich den kompletten Raum. Und das wiederum brachte die Stadt New York erneut auf den Plan.

Ab Mai 2016 hinterfragten städtische Mitarbeiter, ob Trump etwa gegen seinen Deal verstieß: POPS sind schließlich keine Privaträume, in denen ab und zu mal ein Devotionalienkunde auftauchen darf, sondern sie müssen von 8 bis 22 Uhr öffentlich zugänglich sein. Täglich!

Trump hatte das zu oft ignoriert. So brockten seine Publicity-Auftritte im eigenen Haus ihm nun eine Überprüfung ein. Und in diesem Zuge fiel auch auf, dass er die Eingangshalle kommerziell nutzte – und die Bank immer noch fehlte.

Wolkenkratzer-Lobby in Manhattan für Besucher geöffnet

Einer weiteren Aufforderung der Stadt, das unverzüglich zu ändern, kam Trump aber ebenso wenig nach wie beim ersten Mal. Zögerlich verschwand einer der Verkaufstresen, der andere blieb.

Zum Gerichtstermin erschienen allerdings weder Trump noch irgendein Mitarbeiter oder Anwalt. Das brachte ihm eine weitere Strafe von 10.000 Dollar ein. Es sah nicht so aus, als würden diese Beträge irgendetwas ändern. Aber dann kam noch etwas hinzu: schlechte Presse.

Auch die hatte zunächst einen Vorteil für Trump: Auf einmal wusste wirklich jeder, wo der Trump Tower steht und dass es da Trump-Merchandise zu kaufen gibt. Inzwischen stehen Absperrgitter ums ganze Haus herum, die Fans im Zaum halten sollen. Aber drinnen hat sich etwas verändert.

Wo Kommerz in New York in den Keller gegangen ist

Schwarzes Metall statt Marmor: Die neue Bank in der Eingangshalle des Trump Towers | © Petrina Engelke

Seit Juli ist die Bank wieder da. Statt Marmor steht schwarzes Metall gegenüber den Aufzügen, und es bietet nicht Trump-Golfbällen Platz, sondern den Hintern müder Zeitgenossen.

Im Winter ist es dort warm, im Sommer kühlt eine gigantische Klimaanlage das Haus auf Märzniveau. Klimawandel existiert für Trump ja praktischerweise nicht so richtig.

Jeder, der dazu Lust hat, darf in dessen Glasturm eintreten, zwischen goldigen Spiegelflächen mit der Rolltreppe nach oben oder unten fahren, mit etwas Glück die versteckten Terrassen finden oder sich gleich hinter dem Eingang niederlassen.

Von der Bank aus kann man schauen, wer mit dem Fahrstuhl im Haus herumfährt. Oder wer in der Lobby umherirrt und den Verkaufstresen sucht: Neuerdings schickt Trump seine Fans zum Geldausgeben in den Keller.

Der mehrgeschossige POPS-Bereich im Trump Tower ist nur einer von Hunderten solcher öffentlich zugänglicher Räume in New York. Eine Initiative namens APOPS hat sie im Internet auf einer praktischen Karte zusammengefasst: apops.mas.org/find-a-pops

Geschichten über Wolkenkratzer und Wohnungen, aber auch Hotdogs und Eichhörnchen, Taxifahrer und Surfer finden Sie auch im Fettnäpfchenführer New York, den Petrina Engelke jüngst bei uns veröffentlicht hat.

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In New York. Wegen New York. Trotz New York. Unter dieser Maxime schreibt Petrina Engelke, seit es sie im Jahr 2010 aus dem Ruhrgebiet zum Big Apple zog. Da hatte sie schon lange ein Verhältnis mit der Stadt: Mit 17 kam sie während eines Schüleraustausches erstmals hierher. Auch nach vielen Reisen – unter anderem in Australien und auf einem US-Segelboot – findet sie nirgends mehr Geschichten als in New York. Diese erzählt sie nicht nur als freie Journalistin in deutschsprachigen Medien, sondern auch in ihrem Blog: www.moment-newyork.de.

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