Einer geht noch, einer geht noch rein: Turducken & Yorkshire Christmas Pie

Einer geht noch, einer geht noch rein: Turducken & Yorkshire Christmas Pie

Es ist das perfekte Feiertagsessen für Unentschlossene vom Stamme »Fleisch ist mein Gemüse«: Mit Turducken können sie Truthahn, Ente und Hühnchen auf den Tisch bringen, und zwar als ein einziges Hauptgericht.

Wie das möglich ist? Nun, das jeweils kleinere Federvieh wird in die (zuvor ausgenommene) Bauchhöhle des nächst größeren Tieres gestopft. Damit es sich anschließend besser verputzen lässt, muss das Geflügel außerdem vorher entbeint werden. Ein bisschen rohe Gewalt und Erfahrung im Tetris spielen sind bei der Zubereitung hilfreich.

© Christopher »Pacula« Corkum

© Christopher »Pacula« Corkum

Jede Lücke, die nach dem Ineinanderrammen der drei noch bleibt, wird mit Füllung versiegelt. Zwischen Truthahn und Ente kommt eine salzige Mischung aus geräucherter Wurst, eingelegten Austern, einer gehackten Zwiebel, Pilzen und mediterranen Kräutern, während der Hohlraum zwischen Ente und Huhn mit einer Pampe aus Maisbrotkrümeln, gehackter Zwiebel und Sellerie, Nüssen und Rosinen, Ei und Hühnerbrühe zubetoniert wird. Für die Zubereitung sollte man zwei Tage rechnen und einen weiteren, um sich selbst und die Küche von den Spuren des Gemetzels zu befreien.

Turducken ist ein sogenanntes Kofferwort, bestehend aus Turkey (Truthahn), Duck (Ente) und Chicken (Huhn) und wurde sogar ins New Oxford Dictionary aufgenommen. Sollte jemand auf die Idee kommen, diese Völlerei eindeutschen zu wollen, könnte man sie Truthennte nennen. Oder, weil hierzulande Gans als Festtagsbraten beliebter ist, vielleicht auch: Gäntehuhn. Die vegetarische Variante heißt übrigens Tofucken. Wer den Namen lustig findet, sollte sich erst mal die Zubereitung vorstellen: Drei gigantische Sojastücke, die sich als »wie Fleisch« verkleidet haben, werden mühsam ineinander verschachtelt.

Wer nun Freude an diesem Fleischpuzzle gefunden hat, kann sich als nächstes an ein traditionell nordenglisches Gericht wagen: die Yorkshire Weihnachtspastete, beliebt besonders in wohlhabenden Haushalten des 18. Jahrhunderts. Hier geht es darum, ein Täubchen in eine Wachtel in ein Perlhuhn in eine Gans und zuletzt in einen Truthahn zu friemeln. Und wenn der Ehrgeiz dann richtig geweckt ist, geht es an Rôti Sans Pareil (Braten ohne Gleichen). Dieses französische Rezept sieht tatsächlich vor, zwölf Sorten Geflügel nach Art der russischen Matroschka-Holzpüppchen ineinander zu stecken. Passenderweise findet es sich im Anfang des 19. Jahrhunderts veröffentlichten L’Almanach des Gourmands. Nicht Gourmet, sondern Gourmand, auf Deutsch: Vielfraß.

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Julia Schoon wurde in Berlin geboren, der Heimat zweifelhafter Spezialitäten wie Mampe Kräuterlikör, Currywurst und Futschi (heißt so, wie man sich am Tag nach dem Genuss dieses Mixgetränks fühlt). Aufgewachsen an der Nordsee und in Baden-Württemberg, hat sie auch mehrere Monate in den USA, in Spanien, Neuseeland und Kanada verbracht. Die Absolventin der Burda Journalistenschule lebt und arbeitet als freie Journalistin in Berlin, doch sooft sie kann, packt sie ihren Rucksack, um sich die Welt anzuschauen.