Quak-Keulchen auf Französisch: mit Knoblauchbutter und Petersilie

Quak-Keulchen auf Französisch: mit Knoblauchbutter und Petersilie

Ihr Faible für die Hinterbeine des glubschäugigen Hüpfers hat den Franzosen so manch spöttischen Spitznamen eingebracht: Froschfresser bei uns, Froggies in der kulinarischen Hochburg England.

Wie kommt man auch auf die Idee, ein Tier zu essen, das nicht wenigstens in seiner Kindheit niedlich ist und zum Kuscheln taugt?

Leider schaffen es Froschschenkel auch geschmacklich nicht unbedingt, Skeptiker zu überzeugen. Schmeckt wie Hühnchen, ist der häufigste Vergleich (als wäre das eine präzise Beschreibung, die nicht schon für hunderttausend andere, unbekannte Gerichte herhalten musste), nur zarter und ein bisschen fader. Deshalb werden sie auch typischerweise mit Knoblauchbutter und Petersilie zubereitet.

Fragt man einmal unter jüngeren Franzosen herum, so findet man kaum jemanden, der schon einmal Froschschenkel gegessen hat. Trotzdem werden im französischsprachigen Europa mehrere hunderttausend Kilogramm pro Jahr verspeist, tiefgekühlt sind sie in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich. Wie viele davon wohl auf den Tellern neugieriger Touristen landen?

Die wahren Froschfresser

Froschschenkel

Frische Froschschenkel | © Midori

Interessanterweise ist der Konsum in Belgien höher als in Frankreich, eigentlich müssten sie ihren Spitznamen also an die Nachbarn abtreten.

Der Großteil der Lurche stammt heute aus Asien, vor allem aus Indonesien, wo sie in Reisfeldern und Sumpfgebieten gefangen werden. Das klingt erst einmal nach einer natürlichen »Zuchtmethode«.

Die Nachfrage ist jedoch so groß, dass in manchen nahezu kahl gesammelten Regionen bereits das ökologische Gleichgewicht gestört ist und die sich nun ungestört vermehrenden Insekten mit Chemie in Schach gehalten werden müssen.

Gleichschenklige Mahlzeit

In Europa zubereitete Froschschenkel haben tatsächlich Ähnlichkeit mit Hühnchen, nur dass die Extremitäten des Hüpfers immer paarweise auf dem Teller liegen, mitsamt dem unteren Rücken. So genau möchten es manche Esser gar nicht wissen.

In Asien, wo das Tier etwa in Kambodscha oder auf den Philippinen ebenfalls auf der Speisekarte steht, wird es sogar im Ganzen zubereitet: Erst werden ihre Bäuche mit Schweinehack und Gewürzen gefüllt, dann hängt man sie zum Trocknen in die Sonne, bevor sie schließlich gebraten werden. Diese Variante dürfte zumindest wesentlich schneller satt machen. Aber in Frankreich isst man ja auch nie nur einen Gang.

Nachschlag gefällig? Diese und 98 weitere Gerichte, die Sie (lieber nicht) probieren sollten, finden Sie in Julia Schoons etwas anderem Spezialitätenführer: »Delikatessen weltweit – 99 Spezialitäten, die Sie (lieber nicht) probieren sollten«

Nächster Artikel:
Vorheriger Artikel:
Dieser Artikel wurde geschrieben von

Julia Schoon wurde in Berlin geboren, der Heimat zweifelhafter Spezialitäten wie Mampe Kräuterlikör, Currywurst und Futschi (heißt so, wie man sich am Tag nach dem Genuss dieses Mixgetränks fühlt). Aufgewachsen an der Nordsee und in Baden-Württemberg, hat sie auch mehrere Monate in den USA, in Spanien, Neuseeland und Kanada verbracht. Die Absolventin der Burda Journalistenschule lebt und arbeitet als freie Journalistin in Berlin, doch sooft sie kann, packt sie ihren Rucksack, um sich die Welt anzuschauen.