Garantiert keine langen Gesichter: Dieser Proteinshake ist zum Wiehern

Garantiert keine langen Gesichter: Dieser Proteinshake ist zum Wiehern

Was Claudia mit ihrem Schäferhund und später mit ihrem Hengst so alles anstellt, besang die Berliner Band Die Ärzte in den 80er Jahren – und landete damit prompt auf dem Index. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Claudias (und Claudios) dieser Welt pilgern nun jeden März zum Wild Foods Festival nach Neuseeland. Bei diesem Pflichttermin für kulinarische Extremsportler fanden bereits in früheren Jahren fingerdicke Maden und Hammelhoden reißenden Absatz. Seit 2011 setzt nun ein Rennpferdezüchter neue Maßstäbe in Sachen Brechreiz: Er verkauft Schnapsgläser voll Pferdesperma.

Für Einsteiger gibt’s das Hengst-Protein in den Geschmacksrichtungen Kirsche, Lakritze und Banane-Kaffee-Sahnetorte, Puristen bekommen es natürlich auch wie Black Beauty es schuf. Gewonnen wird der cremige Rohstoff nach einer von Züchtern erprobten Methode, in der ein Holzpferd mit Intimprotese aus Gummi eine tragende Rolle spielt.

Der etwas andere Milchshake

»Ich nenne es einfach Milchshake«, sagt Lindsay Kerslake, der stolze Erfinder, »denn genau so schmeckt es.« Zur Markteinführung bewarb er sein Produkt damit, das Testosteron im Pferdesmoothie steigere bei Männern das sexuelle Verlangen. Wer der ultimative Kerl sein wolle, brauche den Appetit eines Hengstes, gab sich der Dr. Sommer unter den Pferdeflüsterern überzeugt. Aber auch Frauen legte er seinen Cocktail ans Herz, denn er sorge dafür, dass sie »sehr interessiert und fokussiert im Leben« würden.

Wissenschaftler kommentierten, man müsse das Zeug schon literweise trinken, um einen Effekt zu erzielen. Ob sie damit einen Eiweißschock oder unkontrolliertes Wiehern und das Ausfahren des Geschlechtsteils meinten, ließen sie offen.

Das Wild Foods Festival

Hokitika

An 364 Tagen im Jahr eine beschauliche Kleinstadt: Hokitika an der Westküste der neuseeländischen Südinsel | © Dschwen

So genau wollten es die Besucher des Wild Foods Festivals auch gar nicht wissen. Rund 15.000 Abenteuerlustige wälzen sich jedes Jahr an nur einem Tag durch die Kleinstadt Hokitika, um möglichst viele Spezialitäten der Extrem-Fressbuden zu probieren. Was neu ist, steht auf der Probierliste ganz oben, und so standen die Leute bei Kerslake Schlange – die einen, um ihren Proteinshake mit einem Energydrink namens Powerhorse herunterzuspülen, die anderen, um mit fasziniertem Ekel zuzuschauen.

Damit die Mutprobe nicht langweilig wird (Kerslakes Produkt hat inzwischen einen Stammplatz auf dem Wild Foods Festival), kann man sich den Drink auch mit einer Spritze in den Mund schießen und dabei von einer Horde angeheiterter Zuschauer anfeuern lassen. Nur an das Mikroskop auf dem Tresen traut sich kaum einer heran. Dabei kann man damit ganz genau sehen, wie frisch das Produkt und vital so ein Testosteron-Shake tatsächlich ist.

So können Sie es nacherleben: Das neuseeländische Wild Foods Festival findet jedes Jahr an einem Samstag Anfang März in Hokitika an der Westküste der Südinsel statt. Es ist eine Mischung aus Volksfest und Karneval (viele Kiwis kommen verkleidet) und ein Riesenspaß, selbst wenn man nichts Abenteuerliches probieren möchte. Der Ticketvorverkauf beginnt meist schon Ende des Vorjahres. Wer spontan vorbeischauen möchte, sollte gleich morgens kommen. www.wildfoods.co.nz

Nachschlag gefällig? Diese und 98 weitere Gerichte, die Sie (lieber nicht) probieren sollten, finden Sie in Julia Schoons etwas anderem Spezialitätenführer: »Delikatessen weltweit – 99 Spezialitäten, die Sie (lieber nicht) probieren sollten«

Nächster Artikel:
Vorheriger Artikel:
Dieser Artikel wurde geschrieben von

Julia Schoon wurde in Berlin geboren, der Heimat zweifelhafter Spezialitäten wie Mampe Kräuterlikör, Currywurst und Futschi (heißt so, wie man sich am Tag nach dem Genuss dieses Mixgetränks fühlt). Aufgewachsen an der Nordsee und in Baden-Württemberg, hat sie auch mehrere Monate in den USA, in Spanien, Neuseeland und Kanada verbracht. Die Absolventin der Burda Journalistenschule lebt und arbeitet als freie Journalistin in Berlin, doch sooft sie kann, packt sie ihren Rucksack, um sich die Welt anzuschauen.