Deutsch-Koreanische Zwiegespräche | Heute: Frühstück

Deutsch-Koreanische Zwiegespräche | Heute: Frühstück

Die U-Bahn rast aus einem Tunnel an die Oberfläche. Die aufgehende Sonne taucht das Abteil plötzlich in ein warmes Licht.

BIELLE (klatscht in die Hände) »Ich freue mich darauf wieder mit dem Auto von Deutschland in die Niederlande zu fahren. Einfach so eine Grenze zu passieren, ohne dass man merkt, gerade ein anderes Land betreten zu haben. Das ist wirklich toll.«

DENNIS »Ja, nach Nordkorea kannst Du ja nicht einfach eben rein fahren und eine Portion Naengmyeon (nordkoreanische Nudelsuppe) essen.«

BIELLE »Stimmt. Man könnte meinen, dass sich das Leben in Südkorea so anfühlt, als wäre man auf einer Insel. Ringsherum Wasser und oben Nordkorea mit der undurchlässigen Grenze. Das merkt man auch daran, wie wir die Chinesen nennen: Kontinent-Leute. Obwohl wir ja selbst auf dem Kontinent wohnen.«

DENNIS »Und wie nennen Euch die Kontinent-Leute?«

BIELLE »Wie in jeder Kultur gibt es auch Schimpfwörter für die Leute aus den Nachbarländern. Aber ich glaube, dass Chinesen stärker an der koreanischen Kultur interessiert sind als Japaner. Wir Koreaner denken, dass Chinesen sehr großzügige Menschen sind. Lustig finde ich jedoch, was manche Japaner über uns Koreaner denken. Angeblich sind wir ungeduldige, laut sprechende Angeber, die sich in alle Privatangeleinheiten einmischen müssen. Sie lassen uns aber auch ein paar positive Eigenschaften. Nämlich, dass wir sehr emotional und menschlich sein sollen.«

DENNIS »Den Punkt finde ich wirklich interessant! Du hast mir einmal weismachen wollen, dass Koreaner die Italiener unter den Asiaten sind: warmherzig, laut und temperamentvoll. Bis heute fällt es mir schwer, das so zu sehen. Vielleicht wird mich unser baldiger Besuch in Japan eines Besseren belehren. – Was mir in Korea gut gefällt ist, dass man nicht so skeptisch ist, wie bei mir zu Hause. Viele Sachen werden einfach direkt so angenommen wie sie sind. Als relativ kritische Person kann ich mir davon eine Scheibe abschneiden…«

BIELLE »Wo wir gerade bei Brot sind: Wie kommt es, dass Du als Deutscher morgens lieber Reis statt Brot isst?«

DENNIS »Mh… In einigen Belangen mag ich zwar deutscher sein, als mir lieb ist (Dennis sammelt schon seit Jahren fleißig unwichtige Dokumente in seinem Leitz-Ordner und hat natürlich eine viel größere Sammlung als Bielle), aber wenn ich morgens die Wahl zwischen frisch gekochtem Reis aus unserem Cuckoo (automatischer Reiskocher) oder einer trockenen Scheibe Brot habe, dann entscheide ich mich lieber für das asiatische Frühstück.«

BIELLE »Für uns Koreaner ist Brot immer etwas besonderes. Was aber nicht heißt, dass wir gerne deutsches Brot essen. Erinnerst Du Dich noch an Dein Gastgeschenk, als Du uns zum ersten Mal in Seoul besucht hast?«

DENNIS (rollt mit den Augen) »Ja, ich habe etwas aus meiner Heimat mitgebracht…«

BIELLE »Es war westfälisches Pumpernickel! Jeder aus meiner Familie hat nur eine einzige Scheibe essen können.«

DENNIS »Ja das war wohl zu gut gemeint. Du hast mir ja auch keine beondegi (Seidenraupenlarven) nach Deutschland mitgebracht.«

BIELLE (schlägt Dennis auf den Arm) »Irgendwann musst Du die aber probieren!«

In diesen fiktiven Zwiegesprächen unterhalten sich Dennis und Bielle über ganz reale, alltägliche Unterschiede zwischen der deutschen und der koreanischen Kultur. Die »echten« Vorbilder für die beiden Dialogpartner heißen Dennis Kubek und Bielle Kim und haben jüngst eine faszinierende Länderdokumentation mit 151 bewegenden Einblicken in die Kultur Koreas in Bild und Text verfasst: »Korea 151 – Ein Land zwischen K-Pop und Kimchi in 151 Momentaufnahmen«.

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Dennis Kubeks Vorliebe für den asiatischen Kontinent liegt in seiner Kindheit begründet: Seine Helden waren die Akteure von unzähligen ostasiatischen Filmen. Während seines Studiums war das Fernweh schließlich auf ein so unerträgliches Maß angewachsen, dass er sich endlich selbst in Kung-Fu-Pose zwischen Pagoden und Reisfeldern wiederfand. Wann immer es sich seitdem einrichten lässt, taucht der freischaffende Regisseur und Mediendesigner in die faszinierenden Kulturen Asiens ein.