Heißer Genuss in Spanien, Indien und Südafrika

Heißer Genuss in Spanien, Indien und Südafrika

So unterschiedlich die Kulturen der Erde sind, ein Phänomen findet sich überall auf dem Globus: Die Freude am Genuss heißer Getränke. Wie diese Getränke beschaffen sind – süßlich, mild, würzig – variiert wiederum von Gesellschaft zu Gesellschaft. Im CONBOOK Magazin stellen wir Ihnen drei beliebte Getränke aus Indien, Spanien und Südafrika vor.

Chai, Chai, Chai …

© Andrea Glaubacker

© Andrea Glaubacker

An Chai kommt in Indien keiner vorbei. Und an Sachin auch nicht. Seit 30 Jahren bereitet er täglich um die 10 Liter Chai zu, wie zuvor sein Vater und Großvater. Schon morgens um sieben steht er am Teekessel, auf die ersten Kunden braucht er nicht lange zu warten. Sein Tee ist ausgezeichnet, und bis zum späten Abend verkauft er das süße Getränk für fünf Rupien in kleinen Teegläsern an seinem zusammengezimmerten Stand.

Das Besondere am Chai ist, dass Wasser, Tee, Milch und Zucker zusammen aufgekocht werden. Nach Belieben des Teekochs kommen noch wahlweise Ingwer, Kardamom oder Zimt hinzu. Dann wird der Chai zum mit Gewürzen verfeinerten Masala Chai. Und das macht aus einem gewöhnlichen Milchtee ein geschmackliches Highlight.

Der Chai kann zweifellos als Nationalgetränk Indiens bezeichnet werden. Das Fauchen der Gaskocher und das Brodeln des Teegemischs gehören zur Soundkulisse Indiens einfach dazu, genauso wie die anpreisenden »Chai, Chai, Chai«-Rufe der Händler an Bahnhöfen und in Zügen.

(aus „Indien 151 – Portrait des fazinierenden Subkontinents in 151 Momentaufnahmen“ von Andrea Glaubacker)

Café bombón – Die Kaffeepraline

© Gabi Fischer von Weikersthal

© Gabi Fischer von Weikersthal

Ich weiß nicht genau, wer die Fans des spanischen café bombón sind und wo sie sich genau tummeln. Ich stelle mir eine Gruppe älterer Damen mit gepflegter Frisur und rosa oder apricotfarben lackierten Nägeln und perlenbestickten Handtäschchen vor, die in einem gediegenen Kaffeehaus sitzen oder in einer beliebten Konditorei.

Irgendwo, wo ich nicht so oft hinkomme oder zu Uhrzeiten, an denen ich anderes zu tun habe. Es gibt ihn nicht in jeder Bar an der Ecke, aber in den Cafés, die etwas auf sich halten, steht er immer auf der Getränkekarte.

Der café bombón ist die Praline unter den Kaffees, ein zuckersüßes, zweifarbiges Vergnügen, wie ein Biss in eine feine Mokkapraline. Er wird im Glas serviert, damit die optische Wirkung voll zur Geltung kommt. Das Glas, unten schmäler, oben breiter, nicht zu groß, üppig im Gehalt, aber nicht in der Menge. Unten die cremefarbene Schicht aus sämiger, gezuckerter Kondensmilch – ich glaube, die gibt es bei uns gar nicht – darüber der schwarze café solo mit seiner kaffeebraunen Crema. Black and white – blanco y negro. Erst ein Augenschmaus, dann, nach dem Verrühren, ein Gaumenschmaus. Dem Zuckerschock setzt man das mitgelieferte Glas Wasser entgegen. Oder eine copita, ein Gläschen Hochprozentiges.

(aus „Spanien 151 – Portrait eines Landes mit vielen Gesichtern in 151 Momentaufnahmen“ von Lisa Graf-Riemann)

Rooibos – Tee aus rotem Busch

© Elena Beis

© Elena Beis

Den tiefroten, fast braunen Tee mit dem grasigen Duft, dem süßlich-holzigen Geschmack mit einem Hauch von Karamell kann man mittlerweile fast überall auf der Welt trinken.

Dabei stammt der Inhalt jedes Rooibos-Teebeutelchens aus einem kleinen Gebiet in der südafrikanischen Westkap-Provinz, den Cederberg Mountains (»Zederbergen«). Rooibos ist Afrikaans für »roter Busch«. Nur hier, 250 Kilometer nördlich von Kapstadt auf 1.000 Meter Höhe gedeiht die Teepflanze. Versuche, Rooibos anderswo anzupflanzen, schlugen alle fehl, denn die Rooibos-Sträucher brauchen den speziellen Sandboden, das spezielle Klima und den speziellen pH-Wert der Zederberge, um zu wachsen.

Bereits 2.000 Jahre bevor der Rooibos Mitte der 1990er-Jahre in Europa populär wurde, kannten, schätzten und nutzten die San, die Ureinwohner Südafrikas, die wildwachsende Rooibos-Pflanze; zwar nicht als Tee, aber als Heilpflanze. Sie zerrieben die Blätter und legten sie auf ihre Wunden, damit diese schneller verheilten.

Auch heute wird Rooibos als Heilmittel, Zusatz in Kosmetika, Kaffee-Ersatz (in Südafrika bestellt man »Red Rooibos Cappuccino« statt »Decaf Coffee« – entkoffeinierten Kaffee) und natürlich als Teegetränk verwendet. Kein südafrikanischer Haushalt, in dem nicht zumindest eine Packung des mineralstoffreichen und, so sagt man hier, schlankmachenden Tees im Regal steht.

(aus „Südafrika 151 – Portrait einer sich wandelnden Nation in 151 Momentaufnahmen“ von Elena Beis)

Nächster Artikel:
Vorheriger Artikel:
Dieser Artikel wurde geschrieben von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *