Arizona Biltmore, Phoenix: Wo Irving Berlin von weißer Weihnacht träumte

Arizona Biltmore, Phoenix: Wo Irving Berlin von weißer Weihnacht träumte

Man kann sich kaum einen unpassenderen Ort vorstellen, um in Weihnachtsstimmung zu kommen: Phoenix im US-Bundesstaat Arizona verfügt über so etwas wie eine Sonnengarantie. Selbst im tiefsten Winter misst das Thermometer hier meist noch gut und gern 20 Grad. Im Sommer steigt es auf bis zu 40 Grad an. Die Sonne, verrät die Statistik, zeigt sich in dieser Stadt inmitten der amerikanischen Wüste mehr oder weniger an 365 Tagen im Jahr. Ein Traum!

Ausgerechnet hier aber soll eines der bekanntesten Weihnachtslieder der Welt entstanden sein: am Pool des Arizona Biltmore mitten in Phoenix. Irving Berlin, ein in Russland geborener, bekannter amerikanischer Komponist, zählte seit jeher zu den Stammgästen des Hauses.

Auch zur Jahreswende 1939/40 war er hier, um dem kühlen Wetter seiner Heimat New York zu entfliehen. Am Pool sei er viel kreativer und schneller als daheim, verriet er damals einem Reporter der örtlichen Tageszeitung. Und so kam es, dass er – vermutlich bei Sonnenschein und 20 Grad – seinen wohl bekanntesten Hit schrieb: White Christmas.

Er träume von weißer Weihnacht, textete Berlin für dieses Lied, genau solche, wie er sie von früher kannte: »I’m dreaming of a white christmas, just like the ones I used to know.« Sonne hin oder her – zu Weihnachten ist das Bad im Hotelpool von Arizona wohl doch nicht jedermanns Sache.

Berlin war Profi genug, um schnell zu ahnen, welchen Goldesel er mit dem Lied geschaffen hatte. »Es handelt sich bei White Christmas nicht nur um den besten Song, den ich jemals geschrieben habe«, soll er später zu seiner Mitarbeiterin Helmy Kresa gesagt haben, »sondern es ist der beste Song, den jemals irgendjemand geschrieben hat.«

Der Erfolg kam 1947 mit der von Bing Crosby gesungenen Version des Liedes. White Christmas wurde über die Jahrzehnte mit rund 50 Millionen verkauften Tonträgern die erfolgreichste Single aller Zeiten. Und das Biltmore? Sonnt sich bis heute in diesem Ruhm – dabei gilt das inzwischen zur Waldorf-Astoria-Kette von Hilton gehörende Haus auch selbst als Besonderheit.

Das Biltmore entstand 1929 unter dem Einfluss des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright, der durch seine klaren, funktionalen Gebäude bekannt geworden war. Entworfen wurde das Haus aber von einem seiner Schüler: Albert Chase McArthur. Mit seiner Fassade aus Betonblöcken wirkt es auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig – im Grunde passt es sich aber wunderbar in die Umgebung aus Rasen und Palmen ein.

Der Pool, an dem Berlin später so manchen Song komponierte, folgte 1930. Er wurde schnell zum Zentrum des Geländes. Hier zeigten Modeschöpfer ihre neuen Kollektionen; hier war die Schauspielerin und Sängerin Marilyn Monroe des Öfteren zu sehen. Sie soll dieses Schwimmbecken sogar einmal als ihren Lieblingspool bezeichnet haben.

Der Chicagoer Kaugummigigant William Wrigley junior übernahm das Hotel bereits in den Anfangsjahren – weil sich die Bausumme verdoppelt hatte, gerieten einige der ursprünglichen Investoren in finanzielle Schwierigkeiten. Über 44 Jahre blieb es in Familienbesitz und wurde zu so etwas wie einer Oase für die Reichen und Schönen Nordamerikas. Was etwas heißen will in einer vergleichsweise abgeschiedenen Gegend, in die sich sonst nicht viele Amerikaner verirren würden.

Unter neuen Eigentümern wurde das Anwesen in den 70er- und 80er-Jahren mehrfach umgebaut und erweitert. Die größte Renovierung erfolgte 1992, als das Hotel erneut den Besitzer wechselte. Für 50 Millionen Dollar wurden die Zimmer im Stil der 30er-Jahre umgestaltet, um dem großen architektonischen Vorbild Frank Lloyd Wright gerecht zu werden.

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Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung des Arizona Biltmore, www.arizonabiltmore.com

Und der Pool? Den gibt es selbstverständlich immer noch. Und in jedem Dezember, so heißt es, träumt hier auch heute noch so mancher von weißer Weihnacht.

Adresse: Arizona Biltmore, 2400 East Missouri Avenue, Phoenix, USA, www.arizonabiltmore.com
Zimmer: 738
Sterne: 5
Baujahr: 1929
Berühmte Gäste: John McCain (Politiker), Irving Berlin (Komponist), Frank Sinatra (Entertainer), Marilyn Monroe (Schauspielerin)
Do it yourself: Immer dienstags, donnerstags und sonnabends bietet das Hotel Touren zur Geschichte des Hauses an.

74 weitere Herbergen, in denen das Bett zur Nebensache wurde, finden Sie in »Hotelgeschichte(n) weltweit«, eine Sammlung der interessantesten Hotels dieser Welt und der Anekdoten, die sich innerhalb ihrer Wände abgespielt haben: Prominente Gäste, die sie beherbergt haben, Erfindungen, die sie beeinflusst haben, Geschichte und Geschichten, die dort geschrieben wurden.

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Michael Pohl ist Reisejournalist, Zeitungsdesigner und Großbritannienexperte und gondelt sowohl in diesen Funktionen als auch ganz privat immer wieder durch die Welt. Meist ist er irgendwo jenseits des Ärmelkanals anzutreffen, wo er selbst gelebt hat und wo er seit Jahren für Reportagen und Analysen Land, Leute und das politische Geschehen beobachtet. Michael Pohl schreibt für mehrere Tageszeitungen und Onlineauftritte. Als Buchautor befasst er sich vor allem mit den Britischen Inseln.