The Fairmont, San Francisco: Wo die Vereinten Nationen geboren wurden

The Fairmont, San Francisco: Wo die Vereinten Nationen geboren wurden

Wir schreiben das Jahr 1945. Die damalige Sowjetunion sowie die alliierten Truppen um die USA hatten in Europa gerade Hitlers Nazireich ein Ende gesetzt. Im Pazifik tobte der Krieg um die von Japan besetzten Länder. Da arbeiteten im Garden Room des Fairmont-Hotels von San Francisco bereits Diplomaten eifrig an einer neuen internationalen Kooperation: Zwischen April und Juni 1945 entwarfen sie hier die Charta der neu zu gründenden Vereinten Nationen.

Nach den zähen Verhandlungen von Jalta formulierten Experten aus, was schließlich am 26. Juni im Theatersaal des War Memorial Veterans Building von San Francisco unterzeichnet werden sollte. Insgesamt 51 Staaten zählten zu den Gründernationen. Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, einen dauerhaften Völkerbund zu installieren, setzte man große Stücke auf die UN.

Das heimliche Zentrum des neuen Völkerbundes

Das Fairmont-Hotel wurde zu so etwas wie dem heimlichen Zentrum des neuen Völkerbundes – wenn auch nur vorübergehend: Der damalige US-Außenminister Edward Stettinius unterhielt sein Hauptquartier während der UN-Konvention in der Präsidentensuite des Hotels.

Und auch weitere Diplomaten aus zahlreichen anderen Ländern ließen sich damals hier einquartieren. Die UN werden heute eng mit ihrem Stammsitz New York in Verbindung gebracht – genau genommen sind sie aber in San Francisco aus der Taufe gehoben worden.

Der prachtvolle sandsteinfarbene Bau im Stadtteil Nob Hill scheint wie geschaffen für ein solch wichtiges Ereignis. Er beeindruckt durch seine Größe, erschreckt aber nicht durch übertriebenen Pomp.

Hoteleröffnung

Fairmont

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung des Fairmont San Francisco, www.fairmont.com/san-francisco

Eröffnet wurde das Fairmont im Jahr 1907 – nachdem ihm kurz zuvor das schwere Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906 und ein anschließendes Feuer stark zugesetzt hatten.

Doch die Schäden konnten relativ schnell behoben werden. Der Name des Hauses entstammt der Gründerfamilie: Die beiden Schwestern Theresa Fair Oelrichs und Virginia Fair Vanderbilt ließen das Hotel zu Ehren ihres Vaters bauen, des früheren US-Senators James Graham Fair.

Ihr Ziel war, eines der besten Häuser am Platze entstehen zu lassen, einen Prachtbau für eine immer größer werdende Stadt. Und sie hatten Erfolg: Das Fairmont entwickelte sich schnell zu einer beliebten Unterkunft vor allem für Politiker, die an der Hotelbar ganz unkompliziert so manches Problem lösten.

Das Haus sollte zum Grundstein eines ganzen Konzerns werden: Zu Fairmont Raffles Hotels International gehören heute geschichtsträchtige Betriebe wie das Singapurer Raffles-Hotel sowie das Hamburger Vier Jahreszeiten.

Das Stammhaus in San Francisco diente auch mehrfach als Filmkulisse: Alfred Hitchcock drehte im Fairmont Szenen für seinen Krimi Vertigo, Michael Bay später The Rock – Fels der Entscheidung mit Sean Connery. Und für die Außenszenen der Fernsehserie Hotel wurde es in den 80er-Jahren gar zum fiktiven Hotel »St. Gregory« umfunktioniert.

Adresse: The Fairmont San Francisco, 950 Mason Street, San Francisco, USA, www.fairmont.com/san-francisco
Baujahr: 1907
Berühmte Gäste: Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow (Politiker), Stevie Wonder (Musiker)
Do it yourself: Noch heute treffen sich Diplomaten aus aller Welt im Fairmont. Für sie gibt es inzwischen mit dem »Diplomat Club« eigene Räume. Die UN-Charta wurde im Garden Room verfasst.

74 weitere Herbergen, in denen das Bett zur Nebensache wurde, finden Sie in »Hotelgeschichte(n) weltweit«, eine Sammlung der interessantesten Hotels dieser Welt und der Anekdoten, die sich innerhalb ihrer Wände abgespielt haben: Prominente Gäste, die sie beherbergt haben, Erfindungen, die sie beeinflusst haben, Geschichte und Geschichten, die dort geschrieben wurden.

Nächster Artikel:
Vorheriger Artikel:
Dieser Artikel wurde geschrieben von

Michael Pohl ist Reisejournalist, Zeitungsdesigner und Großbritannienexperte und gondelt sowohl in diesen Funktionen als auch ganz privat immer wieder durch die Welt. Meist ist er irgendwo jenseits des Ärmelkanals anzutreffen, wo er selbst gelebt hat und wo er seit Jahren für Reportagen und Analysen Land, Leute und das politische Geschehen beobachtet. Michael Pohl schreibt für mehrere Tageszeitungen und Onlineauftritte. Als Buchautor befasst er sich vor allem mit den Britischen Inseln.