L’Hotel, Paris: Wo Oscar Wilde starb

L’Hotel, Paris: Wo Oscar Wilde starb

Bis zum Schluss hat Oscar Wilde Humor bewiesen: »Ich sterbe über meine Verhältnisse«, soll der Autor kurz vor seinem Tod im Pariser Hotel d’Alsace gesagt haben. Und auch seine letzten Worte fielen der Überlieferung nach hier: »Entweder diese Tapete verschwindet – oder ich.« Das Hotel d’Alsace in der Rue des Beaux-Arts gilt als letzte offizielle Anschrift des irischen Schriftstellers. Am 30. November 1900 starb er hier in Zimmer 16 an den Folgen einer Hirnhautentzündung.

Obwohl Wilde schon zu Lebzeiten ein bekannter Autor war, starb er völlig mittellos – der Besitzer des Hotels soll ihn nur aus persönlicher Hochachtung im besten Zimmer des Hauses untergebracht haben. Er verpflegte ihn mit erlesenen Speisen und Weinen. Eben über seine Verhältnisse.

Ein Hotel mit erlesenen Gästen

LHotel

Mit freundlicher Genehmigung des L’Hotel, Paris, www.l-hotel.com

Wilde war nicht der einzige berühmte Name, der schon zu jener Zeit mit diesem Hotel in Verbindung gebracht wurde: Auch die bekannte Spionin und Tänzerin Mata Hari soll hier genächtigt haben. Die französische Schauspielerin und Sängerin Mistinguett hatte gar eine Zeit lang ihren Wohnsitz in dem Haus.

Und der Autor Jorge Luis Borges soll seit seiner Kindheit von Oscar Wilde so fasziniert gewesen sein, dass er den Entschluss fasste, ebenfalls hier im Hotel seine letzten Stunden zu verbringen. Was ihm allerdings nicht gelang – der Argentinier war zwar längere Zeit Gast des Hauses, starb jedoch 1986 in Genf. Das Hotel sei, so soll es Borges einmal gesagt haben, wie von einem Möbelschreiner geformt worden.

Umbenennung und Umgestaltung

Inzwischen ist aus dem Hotel d’Alsace das L’Hotel geworden – ein anderes Hotel der französischen Hauptstadt trägt inzwischen den alten Namen, deswegen stand er für das historische Haus nicht mehr zur Verfügung.

Der Designer Jacques Garcia hat das L’Hotel in seiner jetzigen, leicht plüschigen, Form gestaltet. Jeder Raum ist anders, keiner gleicht dem anderen. Das Designerhaus verfügt nur über 20 Zimmer, doch die sind individuell eingerichtet und orientieren sich an der langen Geschichte des Gebäudes und seiner Gäste. So gibt es heute einen im Stil des Art déco eingerichteten Raum, der nach Mistinguett benannt wurde – und der inzwischen Bett und Ankleidetisch der Künstlerin beinhaltet.

Auch Oscar Wilde ist eine Suite gewidmet. An ihren Wänden hängen die eingerahmten Hotelrechnungen des Autors – nur eines fehlt heute, und das könnte fast so etwas wie späte Genugtuung bedeuten: die Tapete, die Wilde einst so scheußlich fand.

Adresse: L’Hotel, 13 Rue des Beaux-Arts, Paris, Frankreich, www.l-hotel.com
Baujahr: 1816
Berühmte Gäste: Oscar Wilde, Jorge Luis Borges (Schriftsteller), Marlon Brando (Schauspieler), Mistinguett (Sängerin)
Do it yourself: In der Oscar Wilde Suite hängen noch alte Hotelrechnungen des Schriftstellers an der Wand. Eine Gedenktafel an der Außenmauer des Hotels erinnert an ihn.

Zum Leben des Oscar Wilde, dem Meister des gepflegten Bonmots: de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Wilde

74 weitere Herbergen, in denen das Bett zur Nebensache wurde, finden Sie in »Hotelgeschichte(n) weltweit«, eine Sammlung der interessantesten Hotels dieser Welt und der Anekdoten, die sich innerhalb ihrer Wände abgespielt haben: Prominente Gäste, die sie beherbergt haben, Erfindungen, die sie beeinflusst haben, Geschichte und Geschichten, die dort geschrieben wurden.

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Michael Pohl ist Reisejournalist, Zeitungsdesigner und Großbritannienexperte und gondelt sowohl in diesen Funktionen als auch ganz privat immer wieder durch die Welt. Meist ist er irgendwo jenseits des Ärmelkanals anzutreffen, wo er selbst gelebt hat und wo er seit Jahren für Reportagen und Analysen Land, Leute und das politische Geschehen beobachtet. Michael Pohl schreibt für mehrere Tageszeitungen und Onlineauftritte. Als Buchautor befasst er sich vor allem mit den Britischen Inseln.