Sofitel Legend Santa Clara, Cartagena: Wo es ein Kloster zu literarischem Ruhm brachte

Sofitel Legend Santa Clara, Cartagena: Wo es ein Kloster zu literarischem Ruhm brachte

Diese Mauern zeugen von Geschichte: Bereits im Jahr 1621 wurde das Sofitel Legend Santa Clara in der kolumbianischen Stadt Cartagena de Indias fertiggestellt – damals jedoch noch als Kloster. Doña Catalina de Cabrera, eine der führenden Philanthropen Kolumbiens, hatte nach ihrem Tod 1607 eine Summe von 2.500 Pesos sowie ein Grundstück für den Bau ebenjener Anlage hinterlassen. 14 Jahre später war sie fertig und es zogen die Schwestern des Santa-Clara-Ordens ein; der Konvent blieb insgesamt 240 Jahre an diesem Ort.

Diese lange Vergangenheit rückte das Hotel in den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts ins Rampenlicht: Der kolumbianische Autor und Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez siedelte im Kloster Santa Clara seinen Roman Von der Liebe und anderen Dämonen an.

Von der Liebe und anderen Dämonen

Hier wird die zwölfjährige Sierva María nach einem Hundebiss inhaftiert, weil sie angeblich vom Teufel besessen sein soll. Pater Cayetano Delaura, eigentlich abgesandt, um ihr die Dämonen auszutreiben, verliebt sich in das Mädchen. Es beginnt eine unglückliche, heimliche Beziehung zwischen den beiden, die der Pater mit der Versetzung in ein Lepra-Krankenhaus bezahlen muss. Und María schließlich mit dem Leben.

García Márquez erklärt in seinem Vorwort, er sei im Oktober 1949 als junger Journalist bei der Freilegung der Gebeine Sierva Marías im Kloster Santa Clara dabei gewesen. 2010 erschien auch ein in Kolumbien produzierter Film auf Grundlage seines Romans. Der einstige Konvent von Santa Clara, er war plötzlich in aller Munde.

Zu dieser Zeit war die Anlage längst kein Kloster mehr. 1861 zwang die Regierung den Orden zur Aufgabe der Räumlichkeiten, es zogen stattdessen andere Institutionen ein – unter anderem ein Zuchthaus und eine Medizinschule. Der Komplex wurde zunehmend baufällig und erlebte mehrere wechselnde Nutzungen.

Vom Kloster zum Hotel

1987 kam das einstige Kloster schließlich unter den Hammer: Eine Gruppe kolumbianischer Investoren ersteigerte die Anlage, um daraus ein Hotel zu entwickeln. An dieser einzigartigen Position mit Blick auf die karibische See versprachen sie sich ein angemessenes Domizil für luxusverwöhnte Touristen errichten zu können.

Die Arbeiten begannen 1991, dabei wurden aufgrund der langen Vergangenheit der Anlage auch immer wieder zahlreiche archäologische Funde zutage gefördert. Diese sind heute zum Teil im Hotel ausgestellt.

Santa-Clara

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung des Sofitel Legend Santa Clara, www.sofitel-legend.com/cartagena/en

Im Oktober 1995 eröffnete schließlich in den alten Klostermauern das Sofitel Legend Santa Clara unter der Regie des französischen Accor-Konzerns – gerade rechtzeitig für den in unregelmäßigen Abständen und an wechselnden Orten stattfindenden Gipfel der Bewegung der Blockfreien Staaten. Diese Gemeinschaft wurde bereits 1961 gegründet, um der zunehmenden Polarisierung der Weltgemeinschaft durch die beiden gegnerischen Staatenbünde Warschauer Pakt und Nato etwas entgegenzusetzen. Inzwischen sind rund 120 Staaten Mitglied dieser Bewegung.

Trotz umfangreicher Modernisierung – samt Pool und Spa-Bereich – strahlt das Hotel bis heute den dezenten Prunk der alten Kolonialarchitektur aus. Unter Kolonnaden können Gäste von der Sonne geschützt auf den grünen Innenhof blicken, über sich die behäbig rotierenden Deckenventilatoren.

Das Restaurant 1621, benannt nach dem Baujahr des Komplexes, ist passenderweise im früheren Speisesaal der Nonnen untergebracht.

Das Hotel gehört – da es sich innerhalb der historischen Stadtmauern von Cartagena de Indias befindet – inzwischen zum Welterbe der Unesco. Und die ganze Altstadt zählt auch zu den Höhepunkten Kolumbiens, gilt sie doch als eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas.

Adresse: Sofitel Legend Santa Clara, Calle Del Torno 39–29, Barrio San Diego, Cartagena, Kolumbien, www.sofitel-legend.com/cartagena/en
Baujahr: 1621
Berühmte Gäste: Mel Gibson (Schauspieler), Francis Ford Coppola (Regisseur), Bill Clinton (Politiker), Gloria Estefan (Musikerin)
Do it yourself: Wer noch tiefer in die Hintergründe des Romans »Von der Liebe und anderen Dämonen« eindringen möchte, kann sich aufmachen zum Haus des Autors – es liegt unweit des Hotels.

74 weitere Herbergen, in denen das Bett zur Nebensache wurde, finden Sie in »Hotelgeschichte(n) weltweit«, eine Sammlung der interessantesten Hotels dieser Welt und der Anekdoten, die sich innerhalb ihrer Wände abgespielt haben: Prominente Gäste, die sie beherbergt haben, Erfindungen, die sie beeinflusst haben, Geschichte und Geschichten, die dort geschrieben wurden.

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Michael Pohl ist Reisejournalist, Zeitungsdesigner und Großbritannienexperte und gondelt sowohl in diesen Funktionen als auch ganz privat immer wieder durch die Welt. Meist ist er irgendwo jenseits des Ärmelkanals anzutreffen, wo er selbst gelebt hat und wo er seit Jahren für Reportagen und Analysen Land, Leute und das politische Geschehen beobachtet. Michael Pohl schreibt für mehrere Tageszeitungen und Onlineauftritte. Als Buchautor befasst er sich vor allem mit den Britischen Inseln.

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