Sofitel Legend The Grand, Amsterdam: Wo sich Michael Jackson spendabel zeigte

Sofitel Legend The Grand, Amsterdam: Wo sich Michael Jackson spendabel zeigte

Er galt gemeinhin nicht gerade als geizig, und ein überaus freundlicher Zeitgenosse soll er noch dazu gewesen sein – in Amsterdam aber übertraf sich Michael Jackson 1995 selbst: Es war ein kühler Tag, als der Musiker im Sofitel Legend The Grand eingecheckt hatte.

Vor dem wohl historisch bedeutsamsten Hotel der niederländischen Stadt versammelten sich die Fans, um einen Blick auf ihr Idol zu erhaschen. Sie trotzten der Kälte und warteten tapfer darauf, dass sich Jackson ihnen wenigstens einmal kurz zeigte. Und der war offenbar so sehr von dem Auflauf auf der Straße beeindruckt, dass er kurzerhand den Service rief. Seine Bestellung: heiße Schokolade für alle wartenden Fans.

Dieser Wunsch überraschte offenbar auch das Hotel selbst. In Erinnerung an den Musiker benannte das Sofitel seinen Kakao um in »MJ Chocolate«, eine heiße Schokolade mit den Initialen Michael Jacksons. Serviert wird sie bis heute – und dies stets von einem Hotelmitarbeiter, der genau einen solchen glitzernden Handschuh trägt, wie ihn auch der 2009 verstorbene Künstler oftmals trug.

Geschichtsträchtige Mauern

Dabei hätte das Sofitel Legend The Grand es gar nicht mal nötig, sich mit der jüngeren Geschichte zu rühmen – das Haus kann auf eine mehr als 500-jährige Historie zurückblicken, wenn auch nicht als Hotel. Ursprünglich als Kloster St. Cecilia und Katharina gegründet wurde es Ende des 15. Jahrhunderts zu einer noblen Unterkunft für Staatsoberhäupter und hohe Beamte. Wilhelm von Oranien soll hier zwischen 1580 und 1581 des Öfteren genächtigt haben, auch Maria Stuart zählte 1642 zu den Gästen.

Nach einem Brand im Amsterdamer Rathaus diente der Komplex von 1652 an vorübergehend als Ausweichquartier für die Stadtverwaltung. Daran erinnerte man sich offenbar im 19. Jahrhundert: Im Jahr 1808 wurde das frühere Kloster erneut zum Rathaus, weil Napoleon das bisherige Quartier der Stadtoberen als königlichen Palast beanspruchte.

Der Umzug sollte die Französische Revolution und den Wiedereinzug des Hauses von Oranien überdauern. Bis 1988 blieb das heutige Sofitel das Rathaus von Amsterdam. Dies führte zu geschichtsträchtigen Augenblicken: Am 10. März 1966 etwa stand das Rathaus wegen einer Hochzeit im Zentrum des Interesses – die niederländische Thronfolgerin und spätere Königin Beatrix heiratete an diesem Tag Claus von Amsberg. Wie es in dem Land üblich ist, erfolgt eine solche Hochzeit standesamtlich im Rathaus. Diese allerdings fand wegen des großen Interesses nicht in einem Verwaltungszimmer statt, sondern im Ratssaal. Dieser ist bis heute originalgetreu erhalten geblieben.

Vom Rathaus zum Hotel

Sofitel

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung des Sofitel Legend The Grand, www.sofitel-legend-thegrand.com/amsterdam

Mit dem Neubau der Stadtverwaltung am Waterloo-Platz verlor das alte Gebäude seinen Nutzen. Es wurde sorgfältig restauriert – wobei unter anderem ein Wandgemälde von Karel Appel zum Vorschein kam, das die Stadtverwaltung in frühen Jahren hatte abhängen lassen, weil es die Mitarbeiter gestört hatte. Heute ist es ein eindrucksvoller Dekobestandteil des Sofitel-Restaurants.

Erst 1992 zog das The Grand in die Räumlichkeiten ein, sechs Jahre später wurde es um den benachbarten Prinsenhof erweitert. Seitdem gilt es als eine der ersten Anlaufstellen von Gästen aus Kunst, Kultur und Politik in Amsterdam. So spendabel wie Michael Jackson hat sich seitdem allerdings niemand mehr gezeigt.

Adresse: Sofitel Legend The Grand, Oudezijds Voorburgwal 197, Amsterdam, Niederlande, www.sofitel-legend-thegrand.com/amsterdam
Zimmer: 177
Sterne: 5
Baujahr: 1578 (Hotelumbau 1992)
Berühmte Gäste: Michael Jackson (Musiker), Königin Beatrix (Staatsoberhaupt), Winston Churchill (Politiker)
Do it yourself: Eine MJ-Schokolade sollte bei einem Besuch dazugehören. Auch heiraten kann man im Sofitel nach wie vor – es gibt ein eigenes Hochzeitszimmer dafür.

74 weitere Herbergen, in denen das Bett zur Nebensache wurde, finden Sie in »Hotelgeschichte(n) weltweit«, eine Sammlung der interessantesten Hotels dieser Welt und der Anekdoten, die sich innerhalb ihrer Wände abgespielt haben: Prominente Gäste, die sie beherbergt haben, Erfindungen, die sie beeinflusst haben, Geschichte und Geschichten, die dort geschrieben wurden.

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Michael Pohl ist Reisejournalist, Zeitungsdesigner und Großbritannienexperte und gondelt sowohl in diesen Funktionen als auch ganz privat immer wieder durch die Welt. Meist ist er irgendwo jenseits des Ärmelkanals anzutreffen, wo er selbst gelebt hat und wo er seit Jahren für Reportagen und Analysen Land, Leute und das politische Geschehen beobachtet. Michael Pohl schreibt für mehrere Tageszeitungen und Onlineauftritte. Als Buchautor befasst er sich vor allem mit den Britischen Inseln.