Waldorf Astoria, New York: Wo der Waldorfsalat kreiert wurde

Waldorf Astoria, New York: Wo der Waldorfsalat kreiert wurde

Zwei rohe Äpfel und etwas Sellerie klein schneiden, dazu eine Portion guter Mayonnaise – fertig ist der Waldorfsalat. Zumindest jene Variante, die sich Oscar Tschirky Ende des 19. Jahrhunderts ausgedacht hat. Von Walnüssen, wie sie heute allerorten für diesen Salat verwendet werden, fehlt in seinem Originalrezept jede Spur. Tschirky war zu jener Zeit Restaurantchef des New Yorker Waldorf-Hotels – und er gilt als Erfinder des Waldorfsalats.

Obwohl er angeblich gar nicht besonders gut kochen konnte, soll Tschirky immer wieder mit Rezeptvorschlägen an seine Köche herangetreten sein. Neben dem Waldorfsalat hat er demnach auch Eggs Benedict und das Thousand-Island-Dressing vielleicht nicht ganz erfunden, aber zumindest populär gemacht.

1896 schrieb der gebürtige Schweizer sogar ein Kochbuch, in dem ebenjener spezielle Salat enthalten war, der fortan Liebhaber in aller Welt finden sollte. Das mag in erster Linie an Tschirkys Arbeitgeber gelegen haben: Das Waldorf Hotel in Manhattan galt zu jener Zeit als eines der luxuriösesten Hotels der Welt. Wer will da nicht wissen, wie dort gekocht wird?

Bis heute konnte sich das Hotel in dieser herausragenden Position halten – auch wenn es den ursprünglichen Bau und auch den eigentlichen Namen nicht mehr gibt: Das 1893 an der Fifth Avenue von William Waldorf Astor eröffnete Waldorf Hotel fusionierte um die Jahrhundertwende mit dem benachbarten Astoria Hotel seines Cousins John Jacob Astor IV. Daraus entstand das Waldorf Astoria, das seinerzeit größte Hotel der Welt.

Verbunden durch die Pfauengasse

Waldorf

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung des Waldorf Astoria, www.waldorfnewyork.com/German

Der Verbindungsweg zwischen den beiden Hotels wurde Peacock Alley genannt und wurde bis vor wenigen Jahren im Logo durch einen Doppelstrich zwischen den beiden Hotelnamen gekennzeichnet: Waldorf=Astoria. Inzwischen aber gibt es ein neues Design – ganz ohne Strich.

Das heutige Waldorf Astoria hat mit jenem aus der Zeit Tschirkys nicht mehr viel zu tun: 1929 wurden beide Bauten abgerissen, um Platz für das Empire State Building zu machen.

Somit kam es zum zwangsweisen Neubeginn: In der Park Avenue 301 bauten die Architekten Schultze and Weaver in unmittelbarer Nähe der Grand Central Station ein neues Waldorf-Astoria-Hotel – 47 Stockwerke hoch und luxuriöser als je zuvor.

»Oscar of the Waldorf«

Und auch hier war Oscar Tschirky wieder als Restaurantchef dabei, inzwischen als »Oscar of the Waldorf« stadtbekannt.

Als Tschirky am 6. November 1950 starb, wehten vor dem Waldorf Astoria tagelang die Flaggen auf Halbmast. Zahlreiche Tageszeitungen druckten Nachrufe auf den Gastronomen ab. Bis heute lebt die Erinnerung an ihn in New York weiter – eines der Restaurants im Waldorf Astoria ist inzwischen nach dem einstigen Restaurantchef benannt: Oscar’s Brasserie.

Noch etwas machte den Hotelneubau besonders: Er verfügt als vermutlich einziges Hotel der Welt über einen eigenen Bahnsteig. Dieser ist Teil der Grand Central Station und kann von den Gästen durch einen privaten unterirdischen Gang genutzt werden.

Zumindest theoretisch – denn nur prominenten Gästen wie dem früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt wurde diese Ehre je zuteil. Ansonsten ist der Bahnsteig heute nicht mehr in Betrieb.

Bei Politikern ist das Waldorf Astoria hingegen nach wie vor beliebt. Die US-Regierung unterhält sogar eine weitläufige Suite in der 41. Etage des Hotels als Sitz des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen.

Mit der Gründerfamilie hat das Hotel indes nicht mehr viel zu tun: Seit 1949 ist das Waldorf Astoria im Besitz der Hilton-Gruppe. Die entwickelte daraus im Laufe der Jahre eine eigene Kette weltweiter Luxushotels. Seit 2012 gibt es beispielsweise auch in Berlin ein Waldorf Astoria. Natürlich nur echt mit dem Waldorf-Salat.

Adresse: Waldorf Astoria, 301 Park Avenue, New York, USA, www.waldorfnewyork.com/German
Baujahr: 1931 (Vorgängerbauten 1893/1897)
Berühmte Gäste: Marilyn Monroe (Schauspielerin), Paris Hilton (Model und Hotelerbin), Herbert Hoover (Politiker)
Do it yourself: Er steht selbstverständlich nach wir vor auf der Speisekarte: der Waldorf-Salat.

74 weitere Herbergen, in denen das Bett zur Nebensache wurde, finden Sie in »Hotelgeschichte(n) weltweit«, eine Sammlung der interessantesten Hotels dieser Welt und der Anekdoten, die sich innerhalb ihrer Wände abgespielt haben: Prominente Gäste, die sie beherbergt haben, Erfindungen, die sie beeinflusst haben, Geschichte und Geschichten, die dort geschrieben wurden.

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Michael Pohl ist Reisejournalist, Zeitungsdesigner und Großbritannienexperte und gondelt sowohl in diesen Funktionen als auch ganz privat immer wieder durch die Welt. Meist ist er irgendwo jenseits des Ärmelkanals anzutreffen, wo er selbst gelebt hat und wo er seit Jahren für Reportagen und Analysen Land, Leute und das politische Geschehen beobachtet. Michael Pohl schreibt für mehrere Tageszeitungen und Onlineauftritte. Als Buchautor befasst er sich vor allem mit den Britischen Inseln.