Segeln auf dem Nil

Segeln auf dem Nil

In ihrem Ratgeber »Geschäftskultur USA kompakt« bereitet Johanna Marius Selbstständige, Fach- und Führungskräfte auf die interkulturellen Kniffe einer deutsch-amerikanischen Geschäftsbeziehung vor. Ihr eigener Weg hat sie vor zwei Jahren von München nach Ägypten geführt. Im Interview erzählt sie aus ihrem neuen Leben.

CONBOOK: Liebe Frau Marius, Sie haben für den CONBOOK Verlag den Ratgeber »Geschäftskultur USA kompakt« verfasst, aktuell bieten Sie Schiffstouren auf dem Nil hat. Wie kam es zum Schritt von Amerika nach Ägypten? Waren Sie schon immer Ägypten-Fan?

Johanna Marius: Ägypten war eigentlich nie auf meiner Liste. Alles begann auf einer Frauenkonferenz in Kairo. Da hat mich eine Bekannte eingeladen, eine Segelfahrt auf dem Nil zu machen. Ich hatte Zeit, also warum nicht? Auf dieser Fahrt hab ich unheimlich nette Leute kennengelernt und gute Kontakte geknüpft, die ich auch in Deutschland weiter gepflegt habe. 2013 wurde mir klar, dass ich eigentlich nicht ortsgebunden bin: Meine Kinder waren aus dem Haus, ich hatte keine familiären Verpflichtungen. Es sprach nichts dagegen, mein Münchener Institut für Sprachen und interkulturelle Trainings über E-Mail, per Telefon und Skype aus der Ferne zu führen. Nachdem die Entscheidung gereift war, bin ich noch ein paarmal nach Ägypten geflogen, um herauszufinden, wie ich mich hier beschäftigen könnte, wenn ich wirklich hierher ziehe. Mein erster Plan war, hier Seminare und Coachings anzubieten. Das ließ sich aber bis jetzt nicht verwirklichen. Seit April 2014 lebe ich nun in Luxor. Mein Lebenspartner war bereits Kapitän auf einer Dahabiya und bot Schiffstouren auf dem Nil an. Sein Geschäft litt aber unter dem Rückgang der Touristenzahlen. Nun unterstütze ich ihn im Marketing mit einer hübschen Webseite und einem Facebook-Auftritt.

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© Johanna Marius

CONBOOK: Das Unternehmen gehörte also zuvor Ihrem Lebensgefährten?

Johanna Marius: Die Firma wurde zuvor von meinem Partner betrieben. In Ägypten gibt es aber keine Einzelunternehmen, alles was geschäftlich passiert, ist Familienangelegenheit.

CONBOOK: Wie groß ist Ihre Flotte?

Johanna Marius: Zu unserem Unternehmen gehören fünf Schiffe, zwei Feluken (einfache, traditionelle Segelboote) und drei Motorschiffe. Da die Nil-Seeleute aber wunderbar vernetzt sind, können wir ebenfalls auf drei Dahabiyas (große bequeme Segelschiffe) zurückgreifen. Die drei Dahabiyas fahren ständig von Luxor nach Assuan und zählen Botschafter, Politiker, Filmleute, aber auch ganz normale Touristen, die sich etwas Besonderes gönnen möchten, zu ihren Passagieren.

CONBOOK: Was erwartet die Reisenden?

Johanna Marius: Unsere Touren sind exzellent, individuell. Studierte Ägyptologen machen die Führungen. Sie sprechen fließend Englisch, Deutsch oder Französisch. So eine Fahrt ist ein ganz besonderes Erlebnis. Sie sind immer nah dran, an der Kultur und an den Menschen. Wenn wir mit der Feluka fahren, gehen wir mit den Reisenden in ein Dorf, damit sie am Dorfleben teilhaben können.

Dahabiya

© Johanna Marius

CONBOOK: Wie viele Mitarbeiter arbeiten für Ihr Unternehmen?

Johanna Marius: Die Crew auf den Dahabiya besteht aus 8 Leuten, bei den Feluken und Motorschiffen brauchen wir jeweils zwei Mitarbeiter: Einen Skipper und einen Schiffsjungen.

Tipps für die Ägyptenreise

CONBOOK: Welche Tipps geben Sie Reisenden, die sich auf den Weg nach Ägypten machen?

Johanna Marius: Auf ein paar Dinge sollten Sie achten, z. B. auf die Kleiderordnung. Gerade in Oberägypten denken die Menschen noch sehr traditionell und sehr konservativ. Die Knie sollten bedeckt sein, das gilt auch für Männer. Keine kurzen Shorts, Bermudas ist eine gute Länge. Keine knappen Tops. In den großen Hotels ist das kein Problem, im Bikini am Pool zu liegen. Baden Sie aber am Dorfstrand, dann sollten Sie vom Bikini absehen.

CONBOOK: Gibt es noch weitere interkulturelle Regeln, die Ägyptenreisende beachten sollten?

Johanna Marius: Kennen Sie die ungeduldige Geste, wenn Italiener Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zusammenführen und auf und ab bewegen? In Ägypten gibt es die gleiche Geste, die Hand wird allerdings nur einmal bewegt. Das heißt dann, ganz freundlich, »Warten Sie bitte.« Als mir die Geste zum ersten Mal begegnete, war ich natürlich überrascht und habe sie falsch gedeutet. Wenn Sie sich in Ägypten über den Bart streichen, heißt das: »Ich bin doch nicht doof«. Wenn Ägypter mit beiden Zeigefingern auf ihre Augen deuten, kann das auch irreführend sein. Es bedeutet allerdings: »Für Dich tu ich alles, Du bist mein Augenstern.«

CONBOOK: Wie haben Sie sich in den letzten zwei Jahren in Ägypten eingelebt?

Johanna Marius: Sehr gut. Die Ägypter, die ich kenne, sind mit Abstand die gastfreundlichsten, hilfsbereitesten, nettesten Menschen. Je länger ich hier lebe, desto deutlicher wird das. Ich musste mich an eine andere Aufgabenverteilung in der Familie gewöhnen. Hier gehen z. B. die Männer einkaufen. Sie erledigen eigentlich alles, was außer Haus zu tun ist. Wenn im Sommer die Temperaturen auf 50°C steigen, ist das sehr angenehm.

CONBOOK: Auf Ihrer Homepage bieten Sie die Reise WOMEN ON BOARD an. Wie kamen Sie auf die Idee?

Johanna Marius: Die Idee entwickelte sich aus einem Wortspiel. Im Englischen gibt es die Forderung Women on Boards, Frauen in die Aufsichtsräte. Durch meine Mitgliedschaft im Verein Business and Professional Women kam ich auf die Idee, aus Women on Boards WOMEN ON BOARD zu machen und spezielle Gruppenreisen für Frauen anzubieten, mit Gesprächsthemen, die speziell Frauen interessieren.

Programmvorschlag für Ägypten-Neulinge

CONBOOK: Welches Programm würden Sie einem Ägypten-Erstreisenden empfehlen?

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© Johanna Marius

Johanna Marius: Es bietet sich an, die Reise in Luxor zu beginnen. Ein Drittel aller Altertümer in der Welt befindet sich in Luxor, Sie können hier fünf Tage verbringen und haben noch immer nicht alles gesehen. Für die Übernachtungen in Luxor würde ich den Winter Palace vorschlagen. Das Hotel war tatsächlich früher der Winterpalast von König Faruk. In Luxor gibt es außerdem ein Museum, das von der UNECSO finanziert wurde und erstklassig kuratiert ist. Am Westufer des Nils liegt die Totenstadt, das alte Theben. Hier gibt es den Totentempel der ersten Pharaonin Hatschepsut und die Pharaonengräber von Tut Ench Ammun und den beiden Ramses zu bestaunen, sowie die Gräber der Königinnen. Die Malereien sind 3.000 Jahre alt und die Farben sind noch immer leuchtend, ohne dass sie je aufgefrischt wurden. Dahinter steckt ein Geheimnis, das bisher niemand lüften konnte. Wenn Sie dann, z. B. mit einer unserer Dahabiyas, weiter über den Nil fahren, können Sie unterwegs u. a. die Tempelanlage von Esna, den Horus-Tempel in Edfu, das pralle Leben auf dem Kamelmarkt von Darau und den Doppeltempel der Götter Sobek und Haroeris in Komombo bewundern. Für Ihr leibliches Wohl ist auf der ganzen Fahrt gesorgt. In Assuan schließlich gibt es am letzten Abend ein leckeres Abendessen am Ufer mit einer großen Party, die Crew singt und macht Musik für die Gäste. Wenn Sie anschließend noch ein paar Tage in Assuan verbringen möchten, empfehle ich das Old Cataract-5-Sterne-Hotel. Hier hat Agatha Christie ihren Roman Mord auf dem Nil geschrieben. In der Verfilmung des Romans wird das Hotel auch gleich zu Anfang des Films gezeigt. Wem das Zimmer mit 200 € pro Nacht zu teuer ist, sollte dem Hotel zumindest einen Kurzbesuch am Abend abstatten, auf der Terrasse einen Sundowner trinken – und einen unvergesslichen Sonnenuntergang erleben. Mit etwas Glück segelt gerade eine Feluka vorbei, um die Idylle perfekt zu machen. In Assuan können Sie leicht fünf Tage verbringen. Was Sie sich unbedingt ansehen sollten, ist der bildschöne Philae-Tempel. Aber auch Abu Simbel sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Die Tempel sind vor den Fluten des Staudamms gerettet und mit unglaublicher Anstrengung und technischem Wissen an ihre jetzigen Standorte gebracht wurden.

CONBOOK: Ihre Beschreibungen klingen sehr beeindruckend. Gibt es trotz der Schönheit Ägyptens etwas, das Sie an Deutschland vermissen?

Johanna Marius: Ja, ach ja: Die Frühlingsblumen

Weitere Informationen zu den angebotenen Segeltouren finden Sie unter www.nil-segeln.com und zu Johannas Marius interkulturellem Wirtschaftsratgeber unter »Geschäftskultur USA kompakt«

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Johanna Marius, geboren 1946 in München, begann ihren professionellen Werdegang als Übersetzerin und Dolmetscherin. Diese Ausbildung ergänzte sie mit anerkannten Sprach- und Trainerzertifikaten. Lange Jahre beruflicher Auslandserfahrung in den USA, in Italien, West-Samoa und West-Afrika haben sie geschult, sich intensiv mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen. Heute leitet Johanna Marius das Münchner Institut Languages & Intercultural Training und bietet ihren Klienten maßgeschneiderte Programme für interkulturelle Kommunikation. Dabei vermittelt sie nicht nur kulturelle Spezifika für Geschäftsreisen und Verhandlungen, sondern bringt ihr Know-how auch bei der Entwicklung strategischer Zielsetzungen ein. Denn Auslandsinvestitionen oder neue Businesspartnerschaften können an missverständlichen Ausdrucksweisen leicht scheitern. In Zeiten der Globalisierung reicht es nicht, nur Englisch zu sprechen, sondern es ist nötig, auch das, was zwischen den Zeilen erwartet wird, zu entschlüsseln. Auch außerhalb ihres Instituts ist Johanna Marius international bestens vernetzt und engagiert sich für eine Verständigung zwischen den Kulturen. 2010 wurde sie in den Bundesvorstand der Business and Professional Women (BPW Germany e.V.) gewählt und ihre dortige Arbeit hat sie bereits als Delegierte zu den Vereinten Nationen nach New York geführt.

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