Porto – die kleine unscheinbare Schwester Lissabons? Von wegen!

Porto – die kleine unscheinbare Schwester Lissabons? Von wegen!

Porto ist nämlich dabei, so richtig beliebt zu werden. Schon zweimal wurde Porto jetzt als bestes europäisches Reiseziel gewählt, 2012 und 2014. Der Flughafen von Porto hat mittlerweile mehr als 5 Millionen Passagiere im Jahr – Tendenz steigend.

Porto ist nicht mehr die graue glanzlose Stadt. Die Stadt, in der laut einer portugiesischen Redensart das Geld verdient wird, das dann in Lissabon ausgegeben wird.

Jetzt kann man auch in Porto Geld ausgeben. Es gibt Restaurants in allen Preisstufen, und in der Einkaufsstraße Rua Santa Catarina findet man traditionsreiche Geschäfte sowie Läden der bekannten Marken.

Hier in Porto befindet sich die drittschönste Buchhandlung der Welt, die Livraria Lello mit einer geschwungenen Treppe aus Holz, Buntglas an der Decke und einem gut sortierten Angebot an Büchern.

Hier in Porto ist auch einer der schönsten Bahnhöfe der Welt, der Bahnhof São Bento mit über 500 m² Wandbildern aus Azulejos, auf denen Szenen der Geschichte Portugals dargestellt sind.

Die Azulejos begegnen einem in Portugal überall, aber in Porto sieht man besonders viele. Ganze Außenfassaden von Barockkirchen wie der Igreja do Carmo sind aus den blau-weißen Kacheln.

Die Rua das Flores

Gleich gegenüber des Bahnhofs São Bento ist die Rua das Flores: eine belebte Fußgängerstraße, die von der Zeitschrift »TimeOut« als DIE Einkaufsstraße Porto bezeichnet wird – hier sind ungewöhnliche Shops und gemütliche Bistros und Cafés zu finden.

Wer es ganz traditionell mag, kann versuchen einen Platz im Café Majestic in der Rua Santa Catarina zu ergattern (viel Glück dabei!). Auch dieses Café zählt mittlerweile zu den »Wahrzeichen« Portos. Die Einrichtung des Cafés versetzt einen um fast hundert Jahre zurück, in die Zeit der Belle Époque.

Die historische Altstadt Portos ist übrigens seit 1996 Weltkulturerbe der UNESCO. Nicht, weil hier einzelne herausragende Gebäude sind, sondern weil der ganze Stadtteil historischen Charakter hat.

Die Altstadt beginnt am Flußufer, und zieht sich den Hügel hoch. Noch vor sechzig Jahren warteten hier die Fischhändlerinnen auf die Boote, die den Douro hochfuhren. Die Uferstraße war unbefestigt, die Frauen barfuß, die Karren wurden von Ochsen gezogen.

Der Cais da Ribeira

Wohnungen am Douro, © CTHOE

Wohnungen am Douro, © CTHOE

Heute dagegen herrscht Leben und Treiben auf dem Cais da Ribeira, der breiten Uferpromenade. Auf beiden Seiten des Flusses liegen Boote und Schiffe, die den Douro hinauffahren. Wer viel Zeit hat, kann eine Tagestour oder eine mehrtätige Schiffsreise flussaufwärts machen, und besichtigen, wo der Portwein angebaut und produziert wird. Auch diese Landschaft ist übrigens Weltkulturerbe der UNESCO.

Wer weniger Zeit hat, gönnt sich eine Sechs-Brücken-Fahrt und bewundert u. a. die von Eiffel entworfene Eisenbrücke Maria Pia aus dem Jahr 1875 und die moderne Ponte Infante D. Henrique aus dem Jahr 2003.

Anschließend kann man auf dem Cais da Ribeira bummeln, Leute gucken, bei Straßenhändlern Souveniers erstehen oder in einem der vielen Cafés, Snackbars oder Restaurants etwas essen.

Wer sich traut, macht einen Spaziergang durch schmale Gänge und über alte Treppen durch das Viertel direkt hinter der Uferpromenade, und bekommt so einen Eindruck davon, wie das Leben hier früher war.

Aber das ist noch lange nicht alles. Wie wäre es mit einer Fahrt an die Foz do Douro, die Mündung des Douro? Mit einem Besuch in einer der Portweinkellereien? Oder einer Führung in dem von dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas entworfenen Casa da Música, der Konzerthalle von Porto?

Und wer abseits vom touristischen Trubel etwas erleben möchte, der geht in die Markthalle Mercado do Bom Sucesso in der Nähe der Rotunda da Boavista, gleich in der Nähe des Casa da Música. Hier in der ehemaligen Markthalle gibt es ein breites Angebot an Gastronomie, und am Wochenende kann man Jazz oder Fado hören.

Die kleine unscheinbare Schwester Lissabons? Nicht mehr. Das war einmal. Porto hat sich in den letzten Jahren toll entwickelt.

Wer nun Lust bekommen hat, Portugal und der Stadt Porto einmal einen persönlichen Besuch abzustatten, dem sei zur Einstimmung auf die Reise und zur unterhaltsamen Vorbereitung auf die Besonderheiten der portugiesischen Kultur unser Reiseknigge »Fettnäpfchenführer Portugal« wärmstens ans Herz gelegt.

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Annegret Heinold hat Germanistik, Pädagogik und Naturwissenschaften in Hamburg studiert, ehe sie nach Portugal gezogen ist. Dort hat sie zwanzig Jahre lang ein Gästehaus und Seminarzentrum im Alentejo geleitet. Seit 2005 schreibt sie als freie Autorin Geschichten und Romane sowie Reisereportagen und Reisebücher und lebt abwechselnd in Nordportugal und Kanada. An Portugal fasziniert sie die große Geschichte des kleinen Landes am Rande Europas, die genussvolle Esskultur und die Gelassenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Kanada hingegen liebt sie wegen der grandiosen Natur, der Weite des Landes und der Großzügigkeit seiner Bewohner. »Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt und Freunde hat«, antwortet sie, wenn sie mal wieder jemand fragt, wo ihre Heimat ist.