Das Wunder von der schwimmenden Kuh

Das Wunder von der schwimmenden Kuh

Unglaublich, aber wahr: Im Sommer 1996 verschwand die Kuh Rosie von ihrer Weide bei der kanadischen Rosebank Ranch und wurde eine Woche später, 100 Kilometer weiter – nach einer Tour durch reißende Strömungen – auf einer Flussbank gefunden. Lesen Sie hier die ganze Geschichte von Rosies aberwitzigem Abenteuer.

Als die Farmerin Liz Allen am 19. Juli 1996 ein Loch im Zaun ihrer Weide bei der Rosebank Ranch entdeckte, war ihr sofort klar, dass etwas passiert sein musste, fließt doch genau hier der Fraser River besonders nahe am Farmland vorbei. Neben dem Loch wartete ein vereinsamtes Kalb, das Liz direkt auf die richtige Spur brachte: Rosie, eine ihrer Kühe, war verschwunden.

Liz erinnerte sich, dass ihr gestern ein Camper aufgefallen war, der unweit des Weidezauns seine Hunde am Fraser River ausgeführt hatte. Dadurch war Rosie wohl verunsichert worden und hatte die Flucht ergriffen. Als Liz anschließend direkt am Fluss verdächtige Hufabdrücke fand, dämmerte ihr ein unglaublicher Verdacht: Anscheinend war Rosie schnurstracks in den reißenden Fraser River geflüchtet.

Rosie war, nachdem Sie im letzten Jahr eine alte Batterie verspeist hatte, schon vor einigen Monaten fast vollständig erblindet. Und so war sie blind in ihr Verderben getappt und Liz sich fast sicher, dass dies das Ende ihrer Lieblingskuh war.

Zwei Tage später, am 21. Juli, sahen Arbeiter, die gerade einen Weidezaun einer südlich liegenden Farm reparierten, etwas im Fraser River vorbeischwimmen, was wie ein Rind aussah. Und tatsächlich: Vor ihren Augen wird Rosie von den Fluten vorangetrieben, zu schnell, um sie rechtzeitig mit Seilen aus dem Wasser zu ziehen. Auch wenn die Kuh anscheinend tatsächlich noch lebt, würde sie nun bald Hell’s Gate erreichen und dort mit Sicherheit den unglaublichen Stromschnellen, die in der Minute 900 Millionen Liter Wasser durch den Canyon pressen, zum Opfer fallen.

KarteNochmals wenige Tage später wurde Brian McKinney, dessen Familie die Air Tram am Hell’s Gate betreibt, auf seinem allmorgendlichen Weg zur Arbeit auf einen Mann aufmerksam, der südlich des brodelnden Canyons auf einer Brücke stand und ihn mit den Armen rudernd aufforderte, sofort die Polizei zu rufen.

Als die Polizei schließlich eintraf, staunte sie nicht schlecht: Auf einer Flussbank am Rande des Fraser River stand eine einsame Kuh, umgeben von steil aufragenden Klippen und Wasser. Eine Heerschar herbeigerufener Hilfskräfte und Farmern schaffte es nach vierstündiger, harter Arbeit, die Kuh schließlich über die Klippen nach oben zu ziehen und in Sicherheit zu bringen.

Was unglaublich scheint, ist tatsächlich passiert: Rosie war nach fast einer Woche, 100 Kilometern reißenden Fluten und dem Passieren von Hell’s Gate zwar um 100 Pfund leichter, aber unverletzt. Wie die Kuh die lange, unfreiwillige Reise und vor allem Hell’s Gate überlebt hatte, blieb ein Rätsel und ist eine Sensation.

Die Hell’s Gate Airtram

Wer sich die Stromschnellen von Hell’s Gate einmal aus sicherer Entfernung anschauen will, dem sei eine Fahrt mit der Hell’s Gate Airtram ans Herz gelegt – eine Seilbahn, die seit über vierzig Jahren Passagiere über den Canyon transportiert.

> Die Homepage zur Seilbahn

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Die Autoren Helga und Arnold Walter blicken auf eine langjährige Kanadaerfahrung zurück und bereisen jährlich vor allem den Westen des Landes. Auf ihren zahlreichen Touren durch die Provinzen Alberta, British Columbia, Yukon und Alaska haben sie über Jahre Informationen gesammelt, die sie in ihren Routenreiseführern weitergeben. Ziel ihrer Arbeit sind praxisnahe Reiseführer, die außergewöhnliche Reiseerlebnisse mit einer unverwechselbaren persönlichen Note verbinden.