In der Weihnachtsbäckerei

In der Weihnachtsbäckerei

Das Weihnachtsfest bringt weltweit die Menschen an die Öfen, um kleine Köstlichkeiten und große Kalorienbomben zu fertigen. In unseren Breiten sind das allseits beliebte Spritzgebäck, klassische Vanillekipferl und Makronen in der Rangliste ganz weit oben, die Küchen anderer Länder haben darüber hinaus viele weitere Spezialitäten hervorgebracht. Einige wenige Klassiker der internationalen Küche möchten wir Ihnen als kleine Weihnachtsvorbereitung und Anregung vorstellen – wir starten in kreativer Weise, die ein Nachbacken vielleicht nicht zur leichtesten Übung macht.

Spanische Nonnenfürze

Wie die Bezeichnung »Nonnenfurz« zustande kam, bleibt der säkularen Welt ein Rätsel. Wenn die Nonnen des Klosters San Paio de Antealtares in Santiago de Compostela mehr wissen, so ist das Geheimnis hinter diesen Klostermauern wohlgehütet | Foto: © Andreas Drouve

Wie die Bezeichnung »Nonnenfurz« zustande kam, bleibt der säkularen Welt ein Rätsel. Wenn die Nonnen des Klosters San Paio de Antealtares in Santiago de Compostela mehr wissen, so ist das Geheimnis hinter diesen Klostermauern wohlgehütet. | Foto: © Andreas Drouve

Für eine satte Portion »Nonnenfürze« braucht es glücklicherweise keine Präsenz von Klosterschwestern mit abgehenden Winden, sondern: zwei Hühnereier, zweihundert Gramm Mehl, fünfzig Gramm Zucker, eine Zitrone, ein Glas Wasser und Öl. Die Zubereitung geht schnell. Zucker, Wasser und den ausgepressten Saft der Zitrone in einen Topf kippen, fünf Minuten köcheln, dann das Mehl unterquirlen. Topf vom Herd nehmen, die Eier schaumig schlagen und hinzugeben, länger umrühren. Aus der Masse Kügelchen formen, einer mit reichlich Öl gefüllten Pfanne zuführen, frittieren und rundherum gut bräunen. Fertig sind die »Nonnenfürze«, pedos de monja, die den an andere Körperöffnungen angelehnten »Nonnenseufzern«, suspiros de monja, ähneln und in manchen Landesteilen mittlerweile in Supermärkten packungsweise erhältlich sind.

Hinweis: Das Rezept wurde von Andreas Drouve frei zusammengefasst, für das, was am Ende herauskommt, übernehmen wir keine Gewähr …

Der Brauch des Neunerlei

Unser zweites Rezept stammt aus heimischen Gefilden und ist eigentlich kein Rezept, sondern ein Brauch, bestehend aus mehreren Gerichten: das Neunerlei ist eine Tradition, die vor allem im Erzgebirge verfolgt wird, und schreibt neun Gänge für ein mehr als umfangreiches Weihnachtsessen vor. Für die meisten besteht dabei die besondere Herausforderung darin, auch alle neun Gänge verspeisen zu müssen.

Einige Familien und Regionen haben sicherlich ihre eigenen Abwandlungen, das klassische Neunerlei-Weihnachtsessen besteht jedoch aus folgenden Gängen (Quelle: www.erzgebirgsweb.de):

  • Bratwurst oder Schweinebraten
  • Sauerkraut
  • Linsen
  • Klöße, Karpfen, Hering
  • Gans, Schweinebraten
  • Kompott
  • Semmelmilch
  • Nüsse oder Mandeln
  • Pilze, rote Rüben

Die Ausgestaltung und Variation bleibt jeder Familie selbst überlassen, ordentlich Ausdauer müssen aber wohl alle mitbringen.

Zalabya

Das dritte Weihnachtsrezept bringt uns in den Nahen Osten, genauer gesagt nach Ägypten, einem eigentlich muslimisch geprägten Land. Dort feiert die kleine Gemeinde der Kopten das Weihnachtsfest, allerdings erst am 07. Januar. Gleichzeitig endet damit auch die Fastenzeit – traditionell mit dem Gebäck Zalabya und dem Fischgericht Bouri.

Für das Gebäck möchten wir Ihnen gerne auch mal ein konkretes Rezept präsentieren:

Zutaten: 4 Tassen Mehl, 2-3 Tassen Wasser, 10g Hefe, 5 EL Sesam, etwas Zucker, Salz, Öl

Zubereitung: Die Hefe in einem Teil des Wasser einrühren, mit dem Mehl, dem restlichen Wasser, der Hefe, dem Sesam, Zucker und Salz zu einem Teig verkneten. Eventuell Wasser zufügen, damit ein kompakter Teig entsteht. Den Teig mindestens eine Stunde abdeckt an einem warmen Ort gehen lassen. Danach den Teig in kleine Stücke schneiden und diese zu Fladen ausrollen. Das Olivenöl in der Pfanne erhitzen und die Teigfladen ausbacken.

Die fertigen Zalabya auf einer Platte oder im Ofen warmhalten und frisch servieren.

Schwedischer Weihnachtspunsch

Für den gemütlichen Teil des nachfolgenden Abends begeben wir uns aus der Sonne Ägyptens hoch in den Norden: Der schwedische Weihnachtspunsch lässt sich wunderbar vorbereiten und wärmt herrlich von innen.

Wer keinen Alkohol verwenden oder den Punsch mit Kindern gemeinsam genießen möchte, kann den Rotwein durch einen passenden Früchtetee ersetzen und den Rum weglassen.

Zutaten: 1 Stück Ingwer, 1 Vanilleschote, 1 Stange Zimt, 2 Sternanis, 2 Nelken, 3 Kardamomkapseln, 1 Tasse Mandeln (gehackt), 1 Orange und 1 Limette mit Schale (unbehandelt), 6 EL Zucker, 1 Flasche Rotwein, 150 ml Rum

Zubereitung: Den Ingwer in grobe Stücke schneiden, die Vanilleschote auskratzen, das Mark mit der Schote und allen anderen Zutaten (Orange- und Limette auspressen und Schale ebenfalls hinzugeben) und dem Rotwein in einen Topf geben. 30 Minuten köcheln lassen, danach durchsieben und mit dem Rum auffüllen.

Braune Kuchen

Passend zur mecklenburgischen Bescheidenheit kommt dieses lebkuchenartige Keksgebäck ausgesprochen schlicht daher. Bisweilen ist es vom darunter liegenden Backpapier optisch nicht zu unterscheiden. Diese Tarnfunktion bietet Schutz vor unbefugten Keksdieben – in den harten Wintern des Nordens ein unschätzbarer Vorteil.

Querdenker und Zugezogene aus ausgeflippten Regionen verzieren die braunen Kuchen mit Zuckerguss, Mandeln und anderem leckeren Schnickschnack. Von den Einheimischen wird das achselzuckend akzeptiert.

Zutaten: 500 g Mehl, 250 g dunkler Zuckerrübensirup, 150 g Biobutter (manche nehmen auch 75 g Butter, 75 g Schmalz), 125 g Zucker, 1/4 TL geriebene Zitronenschale (unbehandelt), 50 ml Zitronensaft, 1 Ei, 1 TL Zimt, 1/2 TL gemahlener Kardamon, 1/2 TL gemahlene Nelken, 1/2 TL Hirschhornsalz, 1/2 TL Pottasche

Zubereitung: Alle Zutaten in eine Rührschüssel geben. Kräftig verkneten. Schüssel mit einem Tuch abdecken. Über Nacht ruhen lassen. Backofen auf ca. 200 Grad vorheizen. Teig ausrollen und originelle oder puristische Formen ausstechen. Eventuell verzieren. Etwa 10 Minuten backen.

Hüllscheider Rotkohlsuppe

Hüllscheid ist ein kleiner Ort im belgischen Teil der Eifel mit gerade einmal 50 Einwohnern. Trotzdem ist diese kleine Ansiedlung namensgebend für ein beliebtes Eifeler Weihnachtsgericht: die Hüllscheider Rotkohlsuppe.

Zutaten: 1 Kopf Rotkohl, 1 säuerlicher Apfel, 1 große Zwiebel, ca. 30 gr. Griebenschmalz, 200 gr. Speck, 2 EL Apfelkraut, 2 Printen, ca. 1 l Gemüsebrühe, 1 mittelgroßes Glas Sherry, Pfeffer u. Salz, etwa 125 ml saure Sahne, Petersilie, Schnittlauch

Zubereitung: Den Rotkohl und die Zwiebel fein schneiden, in Griebenschmalz und klein gewürfeltem Speck andünsten. Den Apfel würfeln und dazu geben. Printen und Apfelkraut hinzufügen. Mit ca. 1/2 l Gemüsebrühe etwa 25 Minuten lang gar kochen, danach ungefähr 3/4 von der Masse pürieren. Sherry und die restliche 1/2 l Gemüsebrühe zu der pürierten Suppe, Pfeffer u. Salz nach Geschmack dazugeben, dann noch einmal aufkochen. Das restliche Viertel der Rotkohlmasse wieder hinzufügen.

Auf Teller portionieren, 1 Klacks Saure Sahne und mit ein wenig Petersilie und Schnittlauch auf der Sahne dekorieren.

Das Rezept schickte uns Heimatbuch Eifel-Autor Hubert vom Venn und empfiehlt anschließend einen Schnaps aus Eifel-Oliven (Schlehen).

Yorkshire Weihnachtspastete

Wem bei dieser Eifeler Spezialität die Fleicheinlage fehlt, der sollte sich an ein traditionell nordenglisches Gericht wagen: die Yorkshire Weihnachtspastete, die besonders in wohlhabenden Haushalten des 18. Jahrhunderts sehr beliebt war. Hier geht es darum, ein Täubchen in eine Wachtel in ein Perlhuhn in eine Gans und zuletzt in einen Truthahn zu friemeln.

Und wem das nicht Fleischeinlage genug ist, dem sei Rôti Sans Pareil (Braten ohne Gleichen) empfohlen. Dieses französische Rezept sieht tatsächlich vor, zwölf Sorten Geflügel nach Art der russischen Matroschka-Holzpüppchen ineinander zu stecken. Passenderweise findet es sich im Anfang des 19. Jahrhunderts veröffentlichten L’Almanach des Gourmands. Nicht Gourmet, sondern Gourmand, auf Deutsch: Vielfraß.

Wir wünschen Ihnen ein frohes, ruhiges und leckeres Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

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