Bielefeld für Insider

Bielefeld für Insider

Die westfälische Stadt, die es eben doch gibt, hat mehr zu bieten, als man denkt. Der deutschsprachige Rapper Casper hat hier studiert und bezeichnet Bielefeld als seine Heimat. Für alle, die es zum ersten Mal in die Stadt im Nordosten NRWs verschlägt, hat er ein paar hilfreiche Tipps auf Lager…

Meine Lieblingskneipe:

Nach der Arbeit trieb es mich oft in Muttis Bierstube (Friedrich-Verleger-Straße 20), wo das Bier billig ist, allerdings muss man sich manchmal von der Bedienung auch als »Drecks-Hete« beschimpfen lassen. Nun aber, was ich wirklich empfehle: das plan b (Friedrichstraße 65). Beste Kneipe, super Musik, Essen auch toll … Und vor allem: Der einzige scheiß Laden in ganz scheiß Bielefeld, der Mexikaner im Sortiment hat!!!

Mein Lieblingsclub:

Das Clubangebot in Bielefeld ist reichhaltiger, als der Ruf der Stadt erahnen lassen würde. Denn zwar unkt man einerorts: »Öööh, Furzgeräusch, die Stadt giiibts ja gaaaaar niiiiiiiich, höhöhööööö«, doch andernorts weiß man: »Na! Da gibt’s Clubs ohne Ende!«

Ein guter Start ist auf jeden Fall erst mal das stereo (Boulevard 1), wo die Musik akzeptabel und die Getränkepreise okay sind. Das Publikum variiert zwischen »Och herrje, was mach ich hier denn?! Ich bin doch eigentlich aus BERLIN! SIEH MICH AN!« und »Du Thomas, der Tjark meinte, dass wir die Hausarbeit für das Blablubb-Bachelor-Modul-Mukkefukk blablabla …«, ohne allerdings unangenehm auszupendeln. Guter Schuppen.

Dann aber so gegen zwei Uhr unbedingt da weg und ins Forum (Meller Straße 2), wo man je nach Party entweder perfekt tanzen oder aber (eigentlich viel geiler) draußen abhängen kann! Ich möchte allerdings noch den Ringlokschuppen (Stadtheider Straße 11) hervorheben, für den ich nur Liebe übrig hab’, da er jahrelang für Miete und Brot bei mir gesorgt hat.

Da gehe ich zum Entspannen hin:

Na, in den Tierpark Olderdissen natürlich (Dornberger Straße 149a)! Wie ein Zoo, nur ohne Tiere, die einen töten könnten. Abgesehen von den Bären. Und den Luchsen. Aber sonst: Tippi-toppi! Zahlste nur ’ne kleine Spende (Gangster wie ich gehen EIS-KALT an der Box vorbei) und hast Tierspaß pur! War auch eine Zeit lang der Ort für das klassische Casperdate – aber nur wenn die Mäuschen auch einen Führerschein hatten. Ich hab ja keinen. Die Luchse taufte ich einst flapsig Oskar und Pjotr. Und tat immer so, als würden sie mir gehören … Solltet ihr also mal da sein, grüßt und küsst mir Oskar und Pjotr.

Da kaufe ich meine Klamotten:

Öhm, joa. Also, in Bielefeld Kleidung jenseits von H&M (Bahnhofstraße 27) zu kaufen ist schon ein bisschen schwieriger. Zum Beispiel bei ozone (Niedernstraße 35, Bahnhofstraße 22), die Kleidung ist super und da jobben so ziemlich alle Bekannten von mir. Allerdings ist ozone auch relativ teuer. Joa, einen Titus (Zimmerstraße 8) gibt’s da auch, aber … Joa.

Da findet man mich, wenn ich Hunger habe:

Im Plaza (Arndtstraße 7), Alter! Chicken Club Sandwich mit Fries, wasnlos?! Das ist auch so’n Klassiker: Schön nach’m Tierpark noch ins Plaza. Sehr empfehlenswert, aber auch leider erst kurz vor dem Umzug nach Berlin entdeckt: Die Suppenbar (Jahnplatz 11, im Forum). Perfekt. Nehmt das Chili und sagt mit Hundefunkelaugenaufschlag: »Dürft’ ich da vielleicht noch so’n KLECKS Schmand reinhaben?« Und ich schwöre: Ihr seid im Himmel. Ich liiiiiiebe Bielefeld. LIEBEFELD!

Mehr westfälische Insider-Tipps

Viele weitere Tipps, Infos und Kuriositäten zu Bielefeld und ganz Westfalen gibt es in dem unterhaltsamen Kulturführer »Heimatbuch Westfalen« nachzulesen.

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Mischa-Sarim Vérollet, geboren 1981 auf Gibraltar, strandete mit drei Jahren in Ostwestfalen. Er wuchs in der Provinzmetropole Bielefeld auf, wo er 2004 auch zum ersten Mal auf einer Poetry-Slam-Bühne stand. Inzwischen ist er einer der bekanntesten Poetry-Slam-Künstler Deutschlands. 2009 erschien der Erzählungsband »Das Leben ist keine Waldorfschule« bei Carlsen (ausgezeichnet als »Kuriosester Buchtitel 2009«), 2010 der Roman »Warum ich Angst vor Frauen habe«. Obwohl Mischa-Sarim Vérollet wie die meisten Bielefelder inzwischen in Berlin lebt, kehrt er nicht zuletzt dank seiner Dortmunder Lesebühne LMBN regelmäßig in seine westfälische Heimat zurück.