»Allein mit der Natur zu sein ist für mich wahrer Luxus«

»Allein mit der Natur zu sein ist für mich wahrer Luxus«

»Eva Ehley ist mit ganzem Herzen Sylt-Fan. In diesem Frühjahr erschien nicht nur ihr dritter Sylt-Krimi »Männer schweigen« im Fischer Taschenbuch Verlag, sondern auch »Sylt. Sturmflut im Champagnerglas – ein Heimatbuch« bei CONBOOK. Im Interview verrät sie u. a., was sie an Sylt fasziniert…

Moin Frau Ehley, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Eva Ehley: Das war vor über fünfzehn Jahren, als ich mit meiner Familie von der Großstadt aufs Land gezogen bin. Die Natur war plötzlich viel näher, ihre Geräusche, ihre Farben, ihre Gerüche. Es war ein fast magisches Erlebnis. Plötzlich hatte ich eine großartige Kulisse für Geschichten vor der Nase. Und Sylt ist da besonders gut. Durch die Vielfalt der Insel, ihrer Bewohner und Besucher werde ich immer wieder zu neuen Stories animiert. Und die Vorliebe für Kriminalgeschichten hatte ich schon lange. Es ist einfach spannend zu sehen, wie Menschen in Extremsituationen reagieren.

Das erste Mal auf Sylt – was war der nachhaltigste Eindruck für Sie?

Eva Ehley: Das wird Sie jetzt vielleicht wundern, aber ich wurde krank. Das Reizklima hat meine Bronchen verärgert. Und genau dasselbe passiert im Heimatbuch der Hauptfigur Jule. Da soll noch mal einer sagen, dass Autoren nicht mit eigenen Erfahrungen arbeiten …

Wie entstand die Idee für Ihren Roman über die junge Berlinerin Jule, die auf Sylt turbulente Tage (und Nächte) erlebt?

Eva Ehley: Das Konzept ist, die Leser mit einer Identifikationsfigur die Insel erkunden zu lassen. Die Heldin sollte jung und neugierig sein und die Insel nicht kennen, also mit einem »fremden Blick« reisen. Natürlich brauchte sie etwas Geld, um sich den Urlaub leisten zu können. Und einen Grund, um allein auf die Insel zu fahren. Also sind die Voraussetzungen folgende: Jule wird von ihrem Freund verlassen, gewinnt aber im Lotto. Glück im Spiel, Pech in der Liebe. Um sich zu trösten, fährt Jule allein nach Sylt. Da sie sich sehr kurzfristig entschlossen hat, konnte sie keine Unterkunft reservieren. Es ist Hochsaison und sie muss immer wieder ihr Quartier wechseln. Beste Voraussetzungen also, um möglichst viel Verschiedenes kennenzulernen. Allerdings bleibt Jule nicht lange allein und es gibt in Liebesdingen gehörige Verwicklungen. Das „Heimatbuch“ ist also Roman und Inselführer in einem.

»Sylt. Sturmflut im Champagnerglas ein Heimatbuch« ist ein romantischer Urlaubsschmöker voll gespickt mit interessanten Insiderinformationen über die Insel, die sowohl in die Geschichte verwoben werden als auch wie in einem Reiseführer in Extra-Infokästen kurz und informativ Auskunft geben z.B. über die elf Sylter Naturschutzgebiete oder über die besten Frühstückscafés. Wieviele Sylt-Aufenthalte brauchten Sie für die Recherche bzw. hatten Sie Insulaner-Unterstützung?

Eva Ehley: Ich bin seit vielen Jahren regelmäßig auf der Insel, häufig mehrmals im Jahr. Für das Heimatbuch habe ich mit etlichen Einheimischen gesprochen und bin natürlich ständig auf Sylt umhergefahren und gelaufen. Außerdem gehören zu meinen Berliner Freunden zwei waschechte Sylter, die mir viel erzählt und gezeigt haben. Und zur Inselgeschichte habe ich einiges gelesen. Das war sehr, sehr spannend. Der Rest ist Recherche, also ein hartes Stück Arbeit. – Umso mehr freut es mich, wenn meine Leser jetzt sagen: Das Buch ist wie ein Kurztrip über die Insel. Es macht unbändige Lust, sofort hinzufahren. (Übrigens vom Tourismusverband bekomme ich keine Zuschüsse. ;-))

Wer gerade auf der Insel ist, kann direkt am Ort des Geschehens die jeweiligen Kapitel lesen. Alle anderen träumen davon und schauen beim nächsten Sylt-Urlaub hier und da mal vorbei. Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an Sylt – warum zieht es Sie immer wieder hierher?

Eva Ehley: Ich bin generell ein Insel-Fan. Alles ist begrenzt und man kann sich konzentrieren und dadurch vielleicht intensiver wahrnehmen. Dazu ist Sylt besonders vielfältig. Und natürlich wunderschön. Ich liebe die Naturschutzgebiete. Man muss nie weit laufen, um allein mit und in der Natur zu sein. Auch in der Hochsaison. Das ist für mich wahrer Luxus.

Herzlichen Dank für das nette Interview, viel Spass und Erfolg mit »Sylt. Sturmflut im Champagnerglas – ein Heimatbuch« und noch weiterhin schöne Aufenthalte auf der Insel Sylt!

Die Fragen stellte Thordis Krieger für www.deichticker.de.

Der Abdruck des Interviews erfolgt mit freundlicher Genehmigung von www. deichticker.de, dem Internetportal für nordfriesische Insidertipps.

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Eva Ehley, geboren in Berlin, war so unvorsichtig, einen Mann zu heiraten, der als Kind sämtliche Sandburgen auf Sylt gebaut hat - nun ist auch sie vom Sylt-Fieber infiziert. Inzwischen hat Eva Ehley mit Mann und Söhnen selbst viele Sommer auf der Insel verbracht. Sie hat den Blick der "echten" Sylter auf ihre Insel ebenso kennenlernen dürfen wie die Schattenseiten des Promi-Tourismus. Sie hat mit dem Buggy, in dem ihr Jüngster saß, versehentlich Karl Lagerfeld vom Bohlenweg gestoßen und Jahre später ihren pubertierenden Söhnen die Ohren zugehalten, wenn selbstgefällige Lebensweisheiten wie "Die erste Million ist immer die schwerste" in der Kampener Whiskymeile zum Besten gegeben wurden.