Die Venus vom Hohlen Fels

Die Venus vom Hohlen Fels

Die Venus vom Hohlen Fels ist eine Elfenbeinfigur, die in der Karsthöhle »Hohler Fels« in der Schwäbischen Alb gefunden wurde. Mit einem Alter von über 35.000 Jahren ist die Venus die älteste, gesicherte Darstellung eines Menschen.

Holger Hommel, Autor unseres Heimatbuch Schwabenland, darf natürlich auch dieses Highlight des Ländle nicht verschweigen und berichtet wie folgt über die kleine Sensation im Süden Deutschlands.

Auszug aus dem Heimatbuch Schwabenland

Man könnte bei der historischen Betrachtung des Schwabenlandes locker einmal dreißigtausend und noch ein paar Jahre mehr zurückgehen und als Schwabe dann beruhigt feststellen, dass wir nicht nur beim Auto die Nase weit vorne hatten. Eigentlich suchen wir schon genauso lange wie vergeblich in den Gesteinsschichten der Schwäbischen Alb mit dem Hämmerchen in der Hand und notwendigerweise auch mit einer ordentlichen Portion schwäbischer Zuversicht ausgerüstet nach einer ähnlichen Weltsensation wie die Terracotta-Armee in China, die man ja auch erst 1974 entdeckt hat. Was wir bis vor einiger Zeit gefunden haben, sind aber immer nur irgendwelche versteinerten Meerestiere, die man im besten Fall auf dem Flohmarkt oder an den örtlichen Philatelistenverband verscherbeln kann. Wer Briefmarken sammelt, der macht das auch mit schwäbischen Fischversteinerungen. Aus Sammelleidenschaft oder zum Briefmarkenbeschweren.

Dann war sie da: die Sensation. Die Welt hat es noch nicht so richtig registriert, es ist aber sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Schwäbische Alb Archäologen und Kunsthistoriker der ganzen Welt anlocken wird. Ganz klein scheint der Fund zwar, aber gleichzeitig auch ganz groß in seiner Bedeutung: Letztendlich war es reiner Zufall, dass wir mitten auf der Schwäbischen Alb über das gerade mal wohl älteste Kunstwerk der ganzen Welt stolperten. Über dreißigtausend Jahre alt ist der Frauenkörper aus Mammutelfenbein, der unbeachtet irgendwo in einer schwäbischen Höhle herumlag, während unsere lieben französischen Nachbarn für ein paar unbeholfene Kritzeleien an einer südfranzösischen Steinwand schon seit Jahrzehnten mächtig Eintritt verlangen. Dabei sind die Höhlenmalereien von Lascaux gerade mal halb so alt wie unsere Elfenbeinfigur. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung der saftigen Ticketeinnahmen für die Grinsebacke im Louvre und der gesalzenen Autobahngebühren bis dorthin darf man gerne vermuten, dass die naiven ausländischen Kulturbesucher ungefähr die Hälfte des französischen Staatshaushalts bestreiten, ohne auch nur zu ahnen, dass die wirklich maßgeblichen Kunstwerke des Abendlandes auf der Schwäbischen Alb zu finden sind. Mit überschaubaren Eintrittspreisen und ohne Mautgebühren.

Die Venus vom Hohlen Fels (© Ramessos, Lizenz CC BY-SA 3.0)

Die Venus vom Hohlen Fels (© Ramessos, Lizenz CC BY-SA 3.0)

Unserer schwäbischen Mona Lisa der Steinzeit fehlt allerdings auch deren Lächeln, was damit zu erklären ist, dass ihr der ganze Kopf fehlt. Da ging damals wohl das Elfenbein aus. Die mächtigen Brüste der sogenannten »Venus vom Hohlen Fels« brauchten zu viel davon. Diese Fakten sollten den Betrachter aber nicht leichtfertig zu einer abschließenden Bewertung des Frauenbildes schwäbischer Künstler verführen. Geschlechtsspezifisch wesentlich unpräziser und dadurch aus frauenemanzipatorischen Gesichtspunkten sehr viel unkritischer zu sehen ist hingegen der genauso alte »Löwenmensch«, auch aus Mammutelfenbein, auch schön und auch von der Schwäbischen Alb. Passen Sie also auf, wenn Sie dort spazieren gehen, Sie befinden sich in einem lebenden Kunstmuseum der Menschheitsgeschichte. Ja, richtig, wir sind immer noch auf der Schwäbischen Alb. Man mag es fast nicht glauben.

Gut so weit. Zwar war das noch lange nicht alles, was die Schwaben bereits in der Steinzeit hervorgebracht haben, soll aber reichen, um zu zeigen, dass die Schwaben erstens schon immer früh dran waren, zweitens mit moderner Kunst keinerlei Berührungsängste haben und drittens, dass Mammutelfenbeingranatenbrüste eigenartigerweise auch nach dreißigtausend Jahren nicht der Erdanziehungskraft nachgeben.

Mehr zum Heimatbuch Schwabenland

Wenn Sie mehr über die Schwaben und ihre liebenswerten Eigenheiten lesen möchten, werfen Sie einen Blick auf Holger Hommels unterhaltsame Betrachtung seiner eigenen Wurzeln.

Weblinks

> Weitere Informationen zum Heimatbuch Schwabenland

> Bericht zum Fund der Venus bei Spiegel Online (Mai 2009)

> Weitere Informationen zur Venus zum Hohlen Fels bei wikipedia.de

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Holger Hommel, Jahrgang 1960, hat so ziemlich alle Länder dieser Erde bereist, will aber nicht von sich behaupten, die Welt auch wirklich zu begreifen. Obwohl oder gerade weil er so manches nicht versteht, bricht er mit großer Begeisterung immer wieder auf, lässt sich in fremde Welten fallen und schreibt darüber. Das Reisen ist sein Ecstacy, die Neugier sein Antrieb, das Schreiben seine Sortiertherapie. Vielen gilt er als Asienexperte. Ihn selbst begleiten die Zweifel auch in den Fernen Osten. Seiner Sehnsucht nach dem geliebten Kontinent tut dies allerdings keinen Abbruch. Asien ist seine Leidenschaft. Vergisst ein Schwabe über diese Passion hinweg aber seine Heimat? Nein, im Gegenteil: Hommel nutzt die geographische Distanz sogar zur liebevollen Betrachtung seines Ursprungs, denn nur, wer seine Wurzeln kennt, wird auch die Quellen anderer Kulturen entdecken.