Alles so schön bunt hier: Facelift für Neuseelands Banknoten

Alles so schön bunt hier: Facelift für Neuseelands Banknoten

Neuseeland will den (alten) Schein nicht wahren. In Zeiten, in denen die meisten Banken und viele Regierungen das Bargeld am liebsten abschaffen würden, entschließt sich die Reserve Bank of New Zealand den Banknoten des Landes neues Leben einzuhauchen. Denn im Gegensatz zum weltweit verbreiteten Trend hin zur bargeldlosen Gesellschaft, steigt nämlich in Neuseeland die Nachfrage nach Bargeld von Jahr zu Jahr.

Geldscheine_alt

Haben bald ausgedient: Neuseelands »alte« Geldscheine

Fünfzehn Jahre nach der letzten Runderneuerung der Dollarscheine ist jetzt die Zeit wohl wieder reif für neues Papiergeld, das in Neuseeland seit 1999 allerdings aus Plastik (Polypropylen) besteht.

Warum das so ist, erläutert Mike Hannah, Pressesprecher der Zentralbank Neuseelands: »Die Überarbeitung der Scheine hat vor allem Sicherheitsgründe und es geht es darum, den an sich guten Sicherheitsstandard unserer Kunststoffnoten noch einmal zu erhöhen. Ob das Layout bei dieser Umstellung auch geändert wird, ist dabei noch nicht sicher!«

›New banknotes NZ‹

Das Projekt ›new banknotes NZ‹ war schon seit drei Jahren in der Pipeline, ohne dass der bar zahlende Neuseeländer etwas davon gewusst hat, aber die Neugestaltung von Banknoten wird hierzulande nicht in öffentlichen Debatten entschieden. Nachdem die Pläne der Zentralbank nun offiziell bekannt gegeben wurden, gerieten nicht nur neuseeländische Traditionalisten in ziemliche Aufregung und protestierten vorsorglich schon einmal gegen das Verschwinden der vertrauten und ausgesprochen populären Motive auf den alten Scheinen, an die man sich in anderthalb Jahrzehnten so schön gewöhnt hatte.

Pressesprecher Mike Hannah versuchte, die Gemüter zu beruhigen: »Ob das Layout bei dieser Umstellung auch geändert wird, ist noch nicht sicher!«

Inzwischen darf sich Mike Hannah zusammen mit der Schar der Kritiker auch in dieser Frage sicher sein, denn das neue Layout der Dollarscheine ist dieser Tage der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Tatsächlich werden den Kiwis weiterhin die altbekannten Gesichter von den Fünfern bis zu den Hundertern entgegenstrahlen, aber das Design ist frischer und die Farben kräftiger. Viele Skeptiker sind mittlerweile nicht nur beruhigt, sondern loben sogar die lebendige Gestaltung.

Zum grafischen Konzept kommen neue, komplexe Sicherheitsmerkmale, wie beispielsweise ein Hologramm, das die Verifikation der Noten erleichtern und zugleich das Leben der Geldfälscher deutlich erschweren soll. Das transparente Guckloch – typisch für die neuseeländischen Scheine – bleibt erhalten, wird jedoch beim neuen Design noch größer als bisher. Das Gesamtkonzept der neuen Scheine wird in den neuseeländischen Medien unisono als gelungen bezeichnet.

Der stellvertretende Präsident der NZ-Zentralbank Geoff Bascand ist stolz: »Unsere neuen Banknoten stehen an der Spitze der modernen Bargeldtechnologie. Obwohl die Fälschungsrate in Neuseeland im globalen Vergleich relativ niedrig ist, war es an der Zeit, die Sicherheit weiter zu erhöhen. Auch die Geldfälscher gehen mit der Zeit und stellen immer bessere Blüten mit Hilfe neuester Computertechnik her. Dem gilt es entgegenzuwirken!«

Das führt auch gleich zu der Frage, welche Rolle eigentlich das Geld beim neuen Geld spielt? Als Schnäppchen kann solch eine Investition in die monetäre Zukunft des Inselstaates freilich kaum bezeichnet werden: Die Erneuerung der Dollarnoten wird den Steuern zahlenden Kiwi nach Abschluss der Aktion 80 Millionen NZ$ gekostet haben.

Verschwörungstheoretiker wittern dabei allerdings nichts Gutes und vermuten, dass die neuen Banknoten, neben anderen Gemeinheiten, mit auslesbaren Codierungen versehen werden, mit denen der Besitzwechsel, also letztlich der Weg des Bargeldes, überwacht und verfolgt werden kann. Ob die Konspirologen recht haben bleibt abzuwarten, aber Spaßverderber sind sie in jedem Fall.

Vom Land des Ahorns ins Land der Kiwis

Die neuen Banknoten wurden übrigens von der Canadian Bank Note Company entworfen und bis zur Produktionsreife entwickelt. Deren firmeneigene Gelddruckerei in Ottawa übernimmt auch gleich den Druck der schönen Scheine. Wie sie von dort anschließend nach Neuseeland transportiert werden ist bis dato noch nicht bekannt geworden.

Aber warum kommt eigentlich das neue Kiwigeld ausgerechnet von einem Unternehmen im Land der Elche und des Ahorn? Ganz einfach: die Canadian Bank Note Company ist bei einer internen, wettbewerbsähnlichen Ausschreibung des Jobs als Sieger hervorgegangen.

Die ersten »Neuen« werden im Oktober 2015 in Umlauf kommen – den Anfang machen die Fünfer und Zehner. Erst später, im April 2016, folgen Zwanziger, Fünfziger und Hunderter. Die Verantwortlichen in der Zentralbank gehen davon aus, dass es danach 12 bis 18 Monate dauern wird, bis die alten Scheine aus dem Verkehr gezogen sind. Weil die Neuen aber tatsächlich ein gelungenes Remake der 1999er Versionen darstellen, wird den Alten niemand nachtrauern.


Schein und Wirklichkeit. Hier eine kurze Übersicht der Motive auf den neuen NZ-Dollarnoten:

Wert: 5 Dollar
Vorderseite: Sir Edmund Hillary (Erstbezwinger des Mount Everest)
Rückseite: Hoiho (Gelbaugenpinguin)

Wert: 10 Dollar
Vorderseite: Kate Sheppard (Sozialreformerin, Suffragette und erste Präsidentin des National Council of Women NZ)
Rückseite: Whio (Saumschnabelente)

Geldscheine_neu

Und so sieht’s bald in Kiwi-Geldbörsen aus: Die neuen Scheine

Wert: 20 Dollar
Vorderseite: Elizabeth II. (konstitutionelle Monarchin von 16 als Commonwealth Realms bezeichneten souveränen Staaten, darunter auch Neuseeland)
Rückseite: Karearea (Maorifalke)

Wert: 50 Dollar
Vorderseite: Sir Apirana Ngata (gilt als der herausragendste Maori-Politiker, der jemals im Neuseeländischen Parlament diente)
Rückseite: Kokako (Lappenkrähe)

Wert: 100 Dollar
Vorderseite: Lord Rutherford of Nelson (Sir Ernest Rutherford war ein neuseeländischer Physiker, der 1908 den Nobelpreis für Chemie erhielt und als einer der bedeutendsten Experimentalphysiker gilt)
Rückseite: Mohua (Gelbköpfchen)


Wer auch mal einen Blick auf die neuseeländischen Münzen werfen möchte, kann dies hier tun: http://de.wikipedia.org/wiki/Neuseeland-Dollar

Mehr zum Thema Kunststoffgeldscheine finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Kunststoffgeldschein

Seit knapp einer Dekade wohnt Rudi Hofer in Auckland, Neuseeland. Jüngst lieferte er uns mit dem »Fettnäpfchenführer Neuseeland« den ultimativen Knigge zum richtigen Umgang mit den Kiwis – den mit, aber vor allem den ohne Flügeln. An dieser Stelle blogt der Autor für CONBOOK regelmäßig »vom schönsten Ende der Welt«.

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Rudi Hofer, geboren in Nord-, aufgewachsen in Süddeutschland, lebt zusammen mit seiner Frau Heike seit knapp einer Dekade in der Region Auckland, Neuseeland. Sein beruflicher Weg führte über die Ausbildung zum Grafischen Zeichner zur baldigen Selbständigkeit und dem Schreiben von Werbe- und Katalogtexten als langjährigem Tätigkeitsschwerpunkt. Parallel zu neuen Unternehmungen in anderen Branchen, wie beispielsweise Luftfahrt und Fitness, blieb Rudi Hofer weiterhin als freier Texter tätig. Nach seinem sorgfältig geplanten Umzug auf die Südhemisphäre der Erde war die Zeit reif für das Schreiben umfangreicher Werke, wie dem in Kürze vorliegenden Fettnäpfchenführer Neuseeland.

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