Neuseeland zeigt Flagge: Viel Lärm ums Staatssymbol

Neuseeland zeigt Flagge: Viel Lärm ums Staatssymbol

Was bisher geschah: Der Premierminister Neuseelands, John Key (National Party), hat schon lange die Erneuerung des Staatslogos zur Chefsache erklärt. Seiner Überzeugung nach hat der Union Jack mit den vier Sternen des Southern Cross ausgedient. Nachdem die Labour Party ihren anfangs massiven Widerstand gegen das Projekt aufgegeben hat, wird nun Keys Kiwivolk vom 20. November bis zum 11. Dezember per Referendum vorentscheiden: dann nämlich werden die Neuseeländer von ihrem Premier händeringend gebeten, aus fünf Entwürfen ihre Nummer 1 auszuwählen.

Wohlgemerkt: bei dieser Wahl geht es noch nicht darum, ob für die bisherige Nationalflagge das Ende der Fahnenstange unausweichlich erreicht ist. Der in diesem Referendum gefundene Favorit wird im März 2016 gegen das bisherige Layout antreten und das Volk darf abermals abstimmen. Dann wird die Frage lauten: alt oder neu?

Flagge1Farn-Variationen

Die Entwürfe wurden von einer Jury aus Tausenden von Vorschlägen ausgewählt. Zwei davon tragen das gleiche Motiv – ein Silberfarnblatt und die vier Sterne des Southern Cross – und unterscheiden sich lediglich in den Farben.

Flagge2Der Silberfarn, ohnehin schon längst eines der inoffiziellen Symbole Neuseelands, ziert einen weiteren Entwurf – komplett in schwarz-weiß gehalten. Das war ursprünglich der Favorit des Premierministers, aber wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, soll John Key seine Meinung zu Gunsten einer farbenfroheren Version geändert haben.

Flagge3Ebenfalls ohne Schmuckfarben kommt ein anderes Design daher. Es zeigt das spiralförmige Koru, ein Symbol für einen jungen Farnzweig, der sich gerade entrollt; es ist ein wichtiges Zeichen in der Kultur der Maori und steht für neues Leben, Reinheit und Wachstum.

Flagge4Rote Spitze

Und schließlich wäre da noch das Motiv Red Peak (Rote Spitze). Es muss erwähnt werden, dass dieser Entwurf nachträglich, per Petition, als fünfte Alternative hinzugenommen wurde. Denn ursprünglich sollten nur die vorgenannten vier Vorschläge zur Wahl stehen.

Red Peak wurde von einer Aktionsgruppe lanciert, einer Gruppe, die nach eigener Aussage alle Neuseeländer repräsentiert, für die weder die aktuelle Landesflagge noch die neuen, aber unspektakulären Farn- und Koru-Motive in Frage kommen. Red Peak soll die Berge der Southern Alps und die Vulkane der Nordinsel symbolisieren, und es enthält die traditionell wichtigen Farben der Maori – schwarz, weiß und rot.

Bis die endgültige Entscheidung steht, wird das Projekt 26 Millionen Dollar gekostet haben, aber noch ist völlig offen, ob es wirklich ein neues Landessymbol geben wird. Zumindest bleibt es spannend. Aktuelle Blitzumfragen zeigen, dass – je nach politischer Gesinnung – zwischen 50 und 70 Prozent der Befragten die aktuelle Flagge beibehalten möchten.

FlaggeKiwi

Außer Konkurrenz: Kiwi mit Laserblick!

Tatsächlich geht vielen Neuseeländer das Getöse um die Flaggenentwürfe gehörig auf die Nerven, und fast alle wundern sich, dass keiner als Motiv den Kiwi enthält, immerhin der Nationalvogel des Landes. Dafür haben sich die Gegner der neuen Flagge, wie zum Trotz, aus den vielen Alternativentwürfen ein Protestsymbol ausgesucht – es ist der Kiwi mit den grünen Laserstrahlaugen, den die Jury schon in der ersten Runde verworfen hatte.

Seit knapp einer Dekade wohnt Rudi Hofer in Auckland, Neuseeland. Jüngst lieferte er uns mit dem »Fettnäpfchenführer Neuseeland« den ultimativen Knigge zum richtigen Umgang mit den Kiwis – den mit, aber vor allem den ohne Flügeln. An dieser Stelle blogt der Autor für CONBOOK regelmäßig »vom schönsten Ende der Welt«.

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Rudi Hofer, geboren in Nord-, aufgewachsen in Süddeutschland, lebt zusammen mit seiner Frau Heike seit knapp einer Dekade in der Region Auckland, Neuseeland. Sein beruflicher Weg führte über die Ausbildung zum Grafischen Zeichner zur baldigen Selbständigkeit und dem Schreiben von Werbe- und Katalogtexten als langjährigem Tätigkeitsschwerpunkt. Parallel zu neuen Unternehmungen in anderen Branchen, wie beispielsweise Luftfahrt und Fitness, blieb Rudi Hofer weiterhin als freier Texter tätig. Nach seinem sorgfältig geplanten Umzug auf die Südhemisphäre der Erde war die Zeit reif für das Schreiben umfangreicher Werke, wie dem in Kürze vorliegenden Fettnäpfchenführer Neuseeland.