Die 10 schrägsten Kiwi-Kuriositäten der Welt

Die 10 schrägsten Kiwi-Kuriositäten der Welt

Neuseeland, das Land der langen weißen Wolke am anderen Ende der Welt, ist ein Naturparadies und für Viele ein Sehnsuchtsland. Und hat einige Kuriositäten zu bieten, von skurril bis bizarr, aber dabei stets amüsant. Unser Kiwiblogger hat seine persönliche Top 10 Neuseeländischer Kuriositäten zusammengestellt …

No. 1: Hundesteuer

Hunde retten Menschen aus Berg- und Seenot. Hunde führen Blinde und sie fangen flüchtige Gauner. Hunde erschnüffeln Drogen und verrichten Dienste in Kriegs- und Krisengebieten.

In Neuseeland, wo 40 Millionen vierbeinige Wolleproduzenten ständig in Schach gehalten werden wollen, kommt Hunden vor allem auch die Aufgabe des professionellen Schafhütens zu. Vielleicht war es die Idee eines humorvollen Farmers, dass der moderne Hund eigentlich auch selbst zur Arbeit fahren könnte.

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Stöckchen holen war gestern. Porter, Straßenhund und Fahrschüler aus Auckland, am Steuer eines umgebauten Mini. | © SPCA New Zealand

Tatsache ist, dass Tiertrainer in Neuseeland drei Vierbeiner zu Autofahrern ausgebildet haben. Um zu zeigen, wie intelligent gerettete Straßenhunde sind, hat sich der Tierschutzverein Neuseeland (SPCA – Society for the Prevention of Cruelty to Animals) etwas Außergewöhnliches einfallen lassen und die Hunde kurzerhand hinters Steuer eines schwarzen Mini gesetzt.

Die Aktion diente als Medienkampagne für eine klare Botschaft: Hunde aus dem Tierheim sind keine Vierbeiner zweiter Wahl, sondern sind schlau, lernfähig und stecken voller ungeahnter Fähigkeiten.

Die Absicht des SPCA war es mit den Berichten und Bildern über das publikumswirksame Fahrtraining für Hunde mehr Tierliebhaber dazu zu bringen, einen Straßenhund zu adoptieren. Dafür haben sie sieben Wochen lang mit Monty, Ginny und Porter trainiert.

Die drei kaltschnäuzigen Mini-Fahrer sind Hunde aus Auckland, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden. Sie wurden im Auftrag des Tierschutzvereins Neuseeland von erfahrenen Hundetrainern unter Einsatz großer Mengen von Hundekuchen dazu gebracht, sich hinter das Lenkrad zu setzen und den Wagen selbstständig über eine Teststrecke zu steuern.

Das machten die drei Hunde in dem auf ihre Bedürfnisse umgebauten Auto wirklich nicht schlecht, auch wenn der Blick nicht immer hundertprozentig auf die Straße gerichtet war.

Porter

© SPCA New Zealand

Die Lernfortschritte sind auf YouTube dokumentiert. Der Slogan zum Video lautet: dogs this smart deserve a home und Porter, der Star des Internets, hat bestimmt nicht lange auf ein neues Zuhause warten müssen.

Der SPCA geht davon aus, mit Hilfe der Aktion auch im Nachhinein noch viele andere herrenlose Vierbeiner vermitteln zu können und das Bewusstsein unter künftigen Hundebesitzern zu wecken, dass es vielleicht doch nicht immer ein reinrassiger Nobelhund sein muss.

No. 2: Dauerwellen

Wellblech ist in Neuseeland seit über 150 Jahren eines der bevorzugten Baumaterialien. Technisch betrachtet handelt es sich beim corrugated iron um leichtes Stahlblech, beidseitig verzinkt, um Rostbildung zu entschleunigen, und schließlich in Wellenform gewalzt, um eine ausgesprochen hohe Steifigkeit und Tragfähigkeit zu erreichen.

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Da fliegt dir doch das Blech weg: Das Ortsbild von Tirau wird von kunstvoll geformtem Wellblech dominiert. | © Kiwiblogger

Wellblech wurde und wird vor allem in den ländlichen Gebieten Neuseelands als Allzweck-Baumaterial verwendet. Die meisten Farmer sind auch heutzutage ohne weiteres in der Lage, die Ärmel hochzukrempeln und in kürzester Zeit den Rahmen für einen Schuppen oder eine Scheune aufzuschlagen, und schließlich das Ganze wie im Zeitraffer mit Wellblech zu verkleiden – mehr Gebäude braucht kein taffer Kiwi.

Lange Zeit wurden die Dächer von Kiwihäusern praktisch ausschließlich mit Wellblech eingedeckt und traditionell rot oder grün angemalt. Leider sind diese originellen bunten Blechdächer nur noch ganz vereinzelt zu sehen, nachdem das Wellblech der Hausdächer im Laufe der Zeit weitgehend durch modernere Materialien ersetzt wurde.

Allerdings gibt es seit den 1970er Jahren eine Art Renaissance des Wellblechs. Heute produziert Neuseeland wieder tonnenweise gewalzten Stahl, glatt und gewellt, für alle nur denkbaren Zwecke, auch – wie damals in der alten Zeit – für die Verwendung als Verkleidungsmaterial von Hauswänden und Dächern.

Der zeitgemäße Einsatz von Wellblech versteht sich als Hommage eines neuseelandtypischen Baustils, basierend auf Funktionalismus und einer kräftigen Portion Nostalgie.

Schließlich haben auch die Kiwikünstler corrugated iron als Material für ihre Kreationen entdeckt – es ist relativ leicht zu formen und es können ausgesprochen fantasievolle Werke damit geschaffen werden – problemlos zu bemalen ist es außerdem.

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Heilig’s Blechle: Dieses Tirauer Fachgeschäft ist außen wellig und innen wollig. | © Kiwiblogger

Die Begeisterung der Neuseeländer für Wellblech geht sogar soweit, dass sich ein ganzer Ort dem Stoff, aus dem die wellenförmigen Träume sind, gewidmet hat: es ist Tirau, eine Kleinstadt mit etwa 800 Einwohnern in der Region Waikato. Irgend jemand kam dort in den 1990er Jahren auf die Idee Kunst mit Werbung zu kombinieren und plötzlich folgten ihm viele andere.

Seit dieser Zeit haben viele Läden Wellblechskulpturen oder sind komplett aus Wellblech gebaut. So hat das Geschäft für Wollprodukte die Form eines riesigen Schafes, das Touristenbüro ist ein großer Hund und vor der Kirche steht eine große Skulptur mit dem Titel ›Der Gute Hirte‹.

No. 3: Maori Facebook

Ta moko nennt man die traditionelle Maori-Kunst des Tätowierens. Die Maori sehen das Moko als wichtigen Teil ihrer kulturellen Identität und halten daher Kunst und Technik ihrer Form des Tätowierens bewusst lebendig.

Ta moko gehört zur Form der tribal tattoos (Sammestätowierungen). Die historischen, zum großen Teil aber auch die heutigen, traditionell orientierten Maori Männer tragen ein Moko auf einer mehr oder weniger exponierten Körperstelle.

Das erste Moko zu tragen war ein wichtiger Meilenstein zwischen Kindheit und Erwachsensein, und wurde dementsprechend von vielen Ritualen begleitet.

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Mehr als nur cooler Körperschmuck. Die Gesichtstätowierung der Maori ist Ausdruck der persönlichen Identität. | © Kiwiblogger

Das wohl berühmteste Moko der Maori ist die Gesichtstätowierung. Von den in ihrer Art weltweit einzigartigen facial tattoos geht eine eigentümliche Faszination aus. Die geschwungenen Linien, die sich über das Gesicht und manchmal den ganzen Kopf (mokomokai) ausbreiten erwecken Staunen und Respekt, aber auch eine gewisse Furcht.

Grundsätzlich ist das Moko für Maori mehr als nur ein Körperschmuck, es ist in erster Linie Ausdruck ihrer Identität und stellt in symbolischer Form die persönliche Lebensgeschichte ihres Trägers dar.

Die Verzierungen auf dem Gesicht enthalten außerdem Informationen über die Herkunft und den sozialen Status der betreffenden Person. So ist zum Beispiel die Tätowierung der Stirn ausschließlich hoch angesehenen Stammesmitgliedern vorbehalten – die Stirn eines einfachen Kriegers bleibt frei.

Bei Maori Frauen beschränkt sich das Moko (wahine moko) im wesentlichen auf Verzierung der Lippen (kauae), dem Kinn und vereinzelt der Nase im Bereich der Nasenlöcher, was den ersten Atemzug eines Neugeborenen symbolisiert.

Übrigens: die Tradition des Moko wurde von den Maori aus ihrer polynesischen Heimat Hawaiki mitgebracht. Machart und Muster sind denen in anderen Teilen des polynesischen Archipels ähnlich.

No. 4: Freiluftkochtopf

Das bekannteste Gericht der Maori ist das hangi. Die Gelegenheit, an einem möglichst ursprünglichen hangi teilzunehmen, sollte sich kein Besucher Neuseelands entgehen lassen. Dazu kann besonders das Maori Village Whakarewarewa in Rotorua empfohlen werden.

Das hangi ist eine Mahlzeit, die eigentlich traditionell im Erdofen zubereitet wird. Im Fall von Whakarewarewa gibt es allerdings eine etwas andere Kochtechnik, weil die ganze Region praktisch eine stets betriebsbereite, unterirdische Kochstelle ist.

Die für ihre vielen heißen Quellen berühmte Gegend ist vulkanisch sehr aktiv, und an zahlreichen Stellen ist es direkt unter einer dünnen Erdschicht bereits kochend heiß. Das Dorf sitzt immerhin zwischen rund 500 unterschiedlich großen Thermalseen und 65 Geysiröffnungen und der Boden ist mancherorts gerade mal nur einen Meter dick.

Whakarewarewa

Siedendes Wasser rund um die Uhr. In Whakarewarewa steht der große Kochtopf mitten im Ort. | © Kiwiblogger

Mitten in Whakarewarewa befindet sich der hot pool namens Ngararatuatara – er ist schon seit Jahrhunderten der natürliche Kochtopf des Ortes. Er trägt den gleichen Namen wie die größte Echse Neuseelands, weil sein glänzendes, brodelndes Wasser mit dem schroffen Felsrand an das mit furchiger Haut umgebene Auge der großen Echse erinnert.

Die alkalische Quelle hat permanent Siedetemperatur und unter geschickter Verwendung der Dampföffnungen ist es dort sogar möglich ganze Lämmer und Schweine zu garen, wohingegen perfekt gekochte Eier eher eine leichte Übung sind.

Für das klassische hangi werden aus Flachs gewobene Körbe oder Leinensäcke mit verschiedenen Zutaten, wie Fleisch, Fisch, Kartoffeln (kumara), Kürbis und Mais gefüllt, und dann in das kochende Wasserloch hinab gelassen.

Topfgucken ist für die anwesenden Gäste ausdrücklich erlaubt – aus angemessener Distanz versteht sich. Das anschließende hangi tasting gilt deshalb auch als besonderes kulinarisches Erlebnis.

No. 5: Zungenbrecher

Es ist sicher nicht immer einfach die zahlreichen Maori-Ortsnamen in Neuseeland korrekt auszusprechen, geschweige denn, sie sich dauerhaft zu merken. Whakarewarewa, Wairarapa, Otorohanga, Whangaparaoa und Waikaremoana sind regelrechte Zungenbrecher, und sie sich im Kopf abzuspeichern grenzt an eine kniffelige Denksportaufgabe.

Oft, aber keineswegs immer, wird beispielsweise die Buchstabenkombination wh wie ein F ausgesprochen: spricht man nun Whangaparaoa vorne mit W oder F?

Besonders auch der Digraph oder Doppelbuchstabe ng führt immer wieder zu phonetischen Problemen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass das Alphabet der Maori zwar 5 Vokale, aber nur 10 Konsonanten hat, von denen zwei die schwierigen Doppelbuchstaben wh und ng sind.

Verwirrend? Ja, durchaus. Aber es hilft vielleicht ein wenig, wenn man weiß, dass Ortsnamen häufig wiederkehrende Wortelemente enthalten, wie zum Beispiel whanga (Hafen), roa (lang), wai (Wasser) oder moana (Meer).

Wer nun in der Lage ist, die Stadt Whangarei und den Vulkan Ngauruhoe richtig auszusprechen hat es schon wirklich weit geschafft. Allerdings sind Steigerungen immer noch möglich und die phonetische Meisterprüfung könnte in der Beherrschung dieses Ortsnamens gipfeln:

Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronu-
kupokaiwhenuakitanatahu.

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Flötentöne auf dem Hügel – ein Wort sagt manchmal mehr als tausend Bilder. | © foolfillment from flickr.com via Wikimedia Commons

Dieses Monsterwort bezeichnet einen eher unauffälligen, gut 300 Meter hohen Hügel zwischen Hastings und Dannevirke an der Hawke’s Bay auf der neuseeländischen Nordinsel.

Die historische Bedeutung dieses Ortes ist jedoch für die Maori keineswegs bescheiden, sondern von großer Bedeutung. In der Übersetzung ergibt sich daraus beinahe ein kleines Liebesgedicht:

Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien,
der Berge hinabrutschte, empor kletterte und verschluckte,
bekannt als der Landfresser,
seine Flöte für seine Geliebte spielte.

Mit 86 Buchstaben hat der Ort den längsten Ortsnamen der englischsprachigen Welt und den zweitlängsten der Welt überhaupt.

No. 6: Schlechter Geschmack

»Der Herr der Ringe« und »Der Hobbit« haben ihn weltberühmt gemacht, nicht nur in Mittelerde. Dennoch trägt Sir Peter Jackson zum Anzug immer ausgelatschte Turnschuhe. Sie sind sein Markenzeichen – selbst auf dem Roten Teppich bei der Oscar-Verleihung. Nach eigenen Angaben besitzt er nur dieses eine Paar, das er aber nur wenig benutzt, weil er ansonsten Kiwi-typisch überwiegend barfuß läuft.

Nach dem Erfolg der beiden Filmtrilogien zählt Peter Jackson nun zu den mächtigsten und am besten bezahlten Filmemachern der Welt. Aber wer weiß schon viel über Jacksons Zeit als Macher von Low-Budget-Horror-Schockern?

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Blutiger Anfänger. Peter Jackson (späterer Schutz-Herr der Ringe und Ehren-Hobbit) bei den Vorbereitungen zu seinem 1987er Horrorfilm »Bad Taste«. | © Will Kouf via silveremulsion.com

Obwohl der Meisterregisseur selbst bereits an ein Remake denkt, ist das Werk, mit dem er seine internationale Karriere besiegelte, nur wenig bekannt: Bad Taste!

Das war Peter Jacksons erster konsequent durchdachter Film, und es ging darin um so etwas Anspruchsvolles wie Aliens, die den Erdball besuchen, um Menschen zu fressen.

Mit einer 16mm-Kamera nahm er 1983 sein Hühnerblut verschlingendes Projekt als Kurzfilm in Angriff, und vier Jahre sowie 17 Tausend persönliche Dollars später war aus dem Streifen schließlich doch ein abendfüllender Spielfilm geworden.

Hier die Prämisse von Bad Taste für Cineasten: Der außerirdische Bösewicht Lord Crumb landet mit seinen Co-Aliens in Neuseeland, um dort zerstückelte Menschen an eine Fast-Food-Kette auf seinem Heimatplaneten zu verscherbeln, woraufhin eine Spezialeinheit der Queen (darunter Peter Jackson höchstpersönlich als Waffenfreak Derek) mit einem Arsenal von Kettensägen, Raketenwerfern und Maschinengewehren gegen die Aliens vorgeht.

In einer Art weiser Voraussicht unterstützte die New Zealand Film Commission den Streifen großzügig mit Fördergeldern, die es Jackson ermöglichten, seinen Film beim allseits bekannten Filmfestival in Cannes zu präsentieren. Bad Taste schlug ein wie eine Bombe aus dem All. Mit einem Mal hatte Peter Jackson in der Filmszene einen Namen.

Übrigens: Mit Braindead folgte 1992 wieder ein Horrorfilm, der heute Kultstatus genießt, aber in Deutschland in der ungeschnittenen Fassung beschlagnahmt wurde. Kenner sprechen hierbei vom Genre des Funsplatter, das Jackson mit Bad Taste gewissermaßen erfunden und mit Braindead zur Vollendung gebracht hat.

1997 begann Jackson mit der Verfilmung des Fantasy-Epos »Der Herr der Ringe« und schließlich folgte 2011 die Arbeit an »Der Hobbit«. Der Rest ist Filmgeschichte…

No. 7: Völlig losgelöst

Ein Fluggerät zum Umschnallen war bisher eher Superagenten à la James Bond vorbehalten. Glenn Martin, Ingenieur aus Christchurch, ist wohl nach mehr als dreißig Jahren konsequenter Erfinderarbeit nun in der Zielgeraden seiner luftigen Träume angekommen: Das Resultat ist eine Art Rucksackhelikopter namens Jetpack.

Aber anders als der Name zunächst vermuten lässt, und auch ganz im Unterschied zum Bond’schen Bell Rocket Belt, arbeitet Martin bewusst nicht mit komplizierten Strahlturbinen, die gefährlich heiße Abgase produzieren und ohnehin nur eine halbe Minute Flugzeit erlauben.

Als Antrieb seines neuesten Modells dient ein V4-Zweitaktmotor mit 200 PS, der mit Normalbenzin aus einem 45-Liter-Tank läuft. Zwei zylindrisch ummantelte Rotoren (daher der Name Jetpack) aus Karbonfasern erzeugen die erforderlichen Druckluftströme.

Jetpack

Umschnallen, Gas geben, abheben! Über der langen weißen Wolke muss mit dem Jetpack die Freiheit wohl grenzenlos sein. | © martinjetpack via Wikimedia Commons

Im Juli 2008 wurde das eigenwillige Fluggerät in den USA der Öffentlichkeit vorgestellt und schon bald könnten die ersten Jetpacks an private Käufer ausgeliefert werden. Doch bis zur Serienproduktion bleibt für die kleine Firma noch einiges zu tun und vor allem viel Geld zu investieren.

Immerhin läuft die Flugerprobung vielversprechend: bis zu 30 Minuten kann man damit in der Luft bleiben, bis zu 75 Kilometer pro Stunde schnell und bis zu 250 Meter hoch fliegen. Glenn Martin selbst sieht den Jetpack als eine Art Motorrad für die dritte Dimension und manchmal kann er immer noch nicht glauben, dass es wirklich fliegt.

Und was soll der Traum vom kompakten Fliegen kosten? Für umgerechnet rund 110.000 Euro könnten in naher Zukunft Privatleute in aller Welt mit einem neuseeländischen Rucksackhelikopter der Marke Jetpack von der Haustür zur Arbeitsstelle fliegen.

No. 8: Heiße Luft

Der Kiwi ist die Super-Ikone Neuseelands schlechthin. Dass dabei der Begriff Kiwi zu Neuseeland, ähnlich wie Sauerkraut zu Deutschland gehört, darf sicher als allgemein bekannt vorausgesetzt werden.

Per Definition handelt es sich beim Kiwi (Apterygidae, Apteryx) um den Schnepfenstrauß, einen flugunfähigen, nachtaktiven Vogel in den Wäldern Neuseelands.

Um seiner Aufgabe als Nationalsymbol Neuseelands voll und ganz gerecht zu werden, gibt es den Kiwi als Figur, Skulptur und Statuette in wirklich kaum noch zählbaren Variationen und allen nur denkbaren Ausführungen.

Kaum ein Tourist kehrt ohne den possierlichen Kiwi als Briefbeschwerer, als Sammelfigur aus Glas oder als Plüschtier ins Heimatland zurück. Während die kleinsten Exemplare spielend in eine Streichholzschachtel passen, können die größten Kiwi-Standbilder durchaus mehrere Meter Bürzelhöhe erreichen. Aber den gewaltigsten aller Kiwis gibt es in der Region Wairarapa auf der neuseeländischen Nordinsel.

Iwi

Aufgeblasener Kiwi: Der Ballonfahrer Rick aus Carterton hat einen wirklich großen Vogel. | © Kiwiblogger

Rick Walczak aus Carterton ist Besitzer von »Iwi the Kiwi«, einem sieben Stockwerke hohen Heißluftballon, der mit seinen rund 22 Metern Höhe zweifellos der größte aller Kiwis sein dürfte – und mehr noch: er kann sogar fliegen.

Dem Ballonfahrer ist mit »Iwi the Kiwi« sogar ein doppelter, wenn nicht dreifacher Coup gelungen. Der Ballon symbolisiert nicht nur den bloßen Wappenvogel Neuseelands, er trägt sogar die Uniform der All Blacks (Rugby Nationalmannschaft) mit dem silbernen Farnzweig, einem weiteren Landessymbol Neuseelands.

Rick Waczak sieht seinen Ballon als eine Art Botschafter Neuseelands. Er nimmt an vielen internationalen Ballonveranstaltungen und Massenfahrten teil. Auf einer erst kürzlich beendeten Tournee durch die USA, mehrere Länder Asiens und schließlich England war »Iwi the Kiwi« überall der stark beklatschte Zuschauerliebling Nummer Eins.

No. 9: Kleine Fische

Whitebait ist in Neuseeland eine hoch geschätzte Delikatesse, deren starke Nachfrage zu dementsprechend hohen Preisen führt. Das macht Whitebait während der Saison regelmäßig zum teuersten Fisch auf dem Markt, vorausgesetzt er ist überhaupt verfügbar – es kommt nämlich immer wieder zu Lieferengpässen.

Doch was ist Whitebait nun eigentlich genau? Whitebait ist zunächst ein Sammelbegriff für Jungfische in einem Stadium, in dem sie typischerweise eine Länge von 25 bis 50 Millimetern erreicht haben.

Der neuseeländische Whitebait besteht aus den Jungfischen der Gattung Fleckengalaxie. Nach dem Ablaichen driften die Eier der Fleckengalaxie flussabwärts zum Meer, von wo die geschlüpften Jungfische später als Whitebait-Schwärme wieder hinauf in ihre Heimatflüsse ziehen, um dort im Süßwasser zu leben.

Whitebait

»Ich schau dir in die Augen, Kleines.« Das ›whitebait omelette‹ besteht aus einem Schwarm kleiner Jungfische. | © Elisabeth Eckhoff, Auckland

Zum Bedauern für die jugendlichen Fische ist Whitebait nicht nur eine weitere Sorte in der Fischtheke, sondern wird geradezu als lukullischer Hochgenuss angesehen. Dabei wird das gesamte Fischchen gegessen, einschließlich Kopf, Flossen, Gräten und Eingeweiden.

Die whitebait season beginnt ungefähr Mitte August und dauert bis Ende November. Im neuseeländischen Frühling kann man an Flussmündungen häufig die durchscheinenden, winzigen Fische in langen Bändern stromaufwärts schwimmen sehen.

Die beliebteste Zubereitungsart dieser Fischspezialität in Neuseeland sind whitebait fritters. Im Grunde handelt es sich dabei um ein Omelett mit relativ wenig Ei und einer umso größeren Menge Whitebait. Kenner verwenden meist nur das Eiweiß, um den Geschmack des Whitebait nicht zu überlagern. Das Eiweiß dient dabei nur als Bindemittel, um die Fischchen wie in einem kleinen Schwarm zusammenzuhalten.

Den nicht-neuseeländischen Whitebait-Fritter-Neuling irritieren vor dem ersten Bissen meist die vielen Augen, die ihm als kleine schwarze Punkte vom Teller aus entgegenblicken. Aber der Versuch lohnt sich durchaus!

No. 10: Land am Haken

Wem die Theorien von Kontinentaldrift und anderen geologischen Modellen schon immer zu langweilig waren, der findet sicher in der Schöpfungsgeschichte der Maori einen wesentlich höheren Unterhaltungswert.

Maui

Maui zieht die Nordinsel Neuseeland aus dem Wasser. | © Learning Media LTD via TeAra.govt.nz via Creative Commons, licensed by Manatu Taonga

In einer Zeit, lange vor unserer Zeit, so berichtet es eine Legende der Maori, zog der junge Halbgott Maui aus Hawaiki zusammen mit seinen vier großen Brüdern hinaus aufs Meer zum Fischen. Sie ruderten an diesem Tag ungewöhnlich weit nach Süden und schließlich wählte Maui eine Stelle, die im gut geeignet erschien, um ihre Angelhaken ins Wasser sinken zu lassen.

Maui, der nur eine Angelschnur dabei hatte, wollte sich Haken und Köder von seinen Brüdern leihen, aber diese wollten ihn – aus welchen Gründen auch immer – nicht an ihrem Angelvergnügen teilhaben lassen und weigerten sich beharrlich, ihm mit dem Zubehör auszuhelfen.

Maui, der Gemobbte, jung aber nicht dumm, hatte zufällig – so berichtet es die Legende wirklich – einen Kieferknochen seiner Großmutter Murirangawhenua dabei. Dieser eignete sich offenbar gut als Angelhaken, aber noch fehlte ein geeigneter Köder. Also stach sich Maui die eigene Nase blutig, um daraufhin den Lebenssaft als Köder auf den Behelfshaken zu streichen.

Die Magie wirkte Wunder: Maui zog einen unfassbar großen Fisch aus dem Wasser – und bei näherem Hinsehen hatte er nichts Geringeres als die Nordinsel Neuseelands am Haken!

Aus diesem Mythos entstand eine der ältesten Bezeichnungen für Neuseeland in der Maori-Sprache: Te Ika a Maui – der Fisch des Maui. Als nächstes wurde Mauis halbgöttliches Kanu Te Waka a Maui zur neuseeländischen Südinsel und Te Punga a Maui, der Anker, formte Stewart Island.

Das alles führte verständlicherweise zu einem Streit unter Mauis vier gierigen Brüdern, bei dem es natürlich um das Ver- und Zerteilen der Beute ging, wodurch schließlich die Berge und Täler der neuseeländischen Landschaft entstanden.

Last, not least gelang Maui ein besonders eindrucksvolles Götterwerk indem er den Lauf der Sonne verlangsamte, nur weil er seine Mahlzeit nicht im Dunkeln einnehmen wollte – und er schuf damit wohl die erste Sommerzeit in der Geschichte der Menschheit.

Bonus-Kuriositäten

Bei seiner Recherche fiel dem Kiwiblogger auf, dass das Land der langen weißen Wolke noch mehr Kuriositäten zu bieten hat, als er es sich selbst nach zehn Jahren als Wahl-Neuseeländer erträumt hätte. Daher musste er an seine persönliche Top 10 noch drei Bonus-Kuriositäten dranhängen …

No. 11: Trekka fahren

Das Auto ist nicht nur des Deutschen liebstes Kind. Auch Neuseeländer lieben den individuellen Straßenverkehr und es gibt sogar einen Kiwispruch, der auch in die Werbung Einzug gehalten hat: driving is in our blood! (Das Autofahren liegt uns im Blut!)

Trekka

Nach sieben Jahren war Schluss. Der Geländewagen Trekka war der Kiwistolz der späten 1960er Jahre. | © Raizer Images NZ from flickr.com via Wikimedia Commons

Das Bild auf Neuseelands Straßen wirkt kontrastreich: sowohl viele durstige Geländewagen als auch zahlreiche politisch korrekte Kleinwagen rollen über die Straßen am anderen Ende der Welt. Tatsächlich sind beide Fahrzeugkategorien (SUVs und city cars) hier im Land äußerst beliebt.

Allerdings hat Neuseeland keine eigene Autoindustrie – mehr. Jeder Wagen hat hier notgedrungenermaßen eine mehrere tausend Kilometer lange Seereise aus Amerika, Europa, Asien oder Australien auf den Reifen, bevor er endlich über Kiwistraßen rollen darf.

Immerhin gab es aber in Neuseeland einmal eine Fahrzeugfabrik, die Phil Andrews‘ Motor Lines Ltd. (später Holden Motors) in Auckland. Dort wurde von 1966 bis 1973 der legendäre Geländewagen Trekka gebaut. Der Trekka ist damit das einzige Auto, das je in Neuseeland produziert wurde. Motor und Getriebe stammten vom damaligen Skoda Octavia.

Es gab zwei Antriebsversionen des Fahrzeugs, eine mit 1.000 ccm Hubraum und 42 PS Leistung sowie eine mit 1.200 ccm und 47 PS. Der Wagen wurde außerdem in zwei Ausführungen produziert: mit geschlossener Kabine und als Pickup.

Mit viel Fantasie erinnert das Erscheinungsbild des Trekka ganz entfernt an einen Landrover. Doch der Neuseelandrover konnte die Fahrleistungen des englischen Vorbilds nicht einmal annähernd erreichen.

Immerhin 2.500 Exemplare des Trekka wurden während seiner Produktionszeit hergestellt und einige davon nach Australien und Indonesien exportiert.

Der Trekka zählt ganz klar zu den großen technischen Ikonen des Landes und ist das Sinnbild der so genannten Kiwi-can-do-Haltung im Neuseeland der Sechziger Jahre.

No. 12: Unter Strom

Natürlich kommt auch in Neuseeland der Strom aus der Steckdose. Das Schöne dabei ist, dass das neuseeländische Stromnetz 230-240 Volt bei 50 Hertz liefert, mit dem praktisch alle aus AU, CH und D mitgebrachten Elektrogeräte problemlos betrieben werden können.

Freilich fällt dem neuen Besucher Neuseelands sofort auf, dass die Form der Stecker und Steckdosen eine völlig andere, nämlich die eines Dreiecks mit Flachkontakten ist. Deren Anpassung an überseeische Systeme stellt aber dank der überall erhältlichen Adapter überhaupt keine Schwierigkeit dar.

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Fast wie beim Wasserhahn. Der Strom fließt erst, wenn man die Steckdose »aufdreht«. | © Wandering New Zealand via new-zealand-camper-van-adventures.com

Es gibt allerdings noch eine winzige, rätselhafte Besonderheit an der Stromquelle, die dem Reisenden nicht immer und vor allem nicht sofort auffällt – die Steckdose hat nämlich einen kleinen Kippschalter.

Nur was hat es mit diesem Schalter an der Steckdose auf sich? Im Grunde genommen gar nichts Ungewöhnliches: er schaltet einfach den Strom an und ab – allerdings direkt an der Steckdose.

Deshalb kommt es nicht selten vor, dass sich der Neuankömmling nach Jetlag geplagter Nacht im Zimmer seines Quartiers einen starken Kaffee brauen möchte, um leider schnell festzustellen müssen, dass die Kaffeemaschine trotz intakter Kabelanschlüsse nicht funktioniert. Der eilig herbeigerufene Leiter der Unterkunft löst das Problem, indem er schmunzelnd den unscheinbaren, kleinen Schalter an der Steckdose auf ON drückt.

Kipp-Tipp: die Stellung ON bedeutet in Neuseeland, dass der Schalter (im Gegensatz zu vielen anderen Ländern) nach unten gekippt sein muss! Die meisten Kippschalter neuer Bauart haben deshalb hilfreicher Weise auf der Oberseite eine rote Markierung, die auf Stellung ON sichtbar wird.

No. 13: Zeichensprache

Personalised licence plates sind unter Neuseelands Autofahrern extrem beliebt. Dabei handelt es sich um Fahrzeugkennzeichen mit einer selbst gewählten, individuellen Buchstaben- und Zahlenkombination oder einem Text, bestehend aus maximal sechs Lettern.

Weil der fahrbare Untersatz nach beach, boat, barbecue mindestens des Kiwis viertliebstes Kind ist, sieht man auf Neuseelands Straßen auffallend viele Kennzeichen, die eine mehr oder minder interessante Botschaft des Fahrers an den Rest der Inselwelt tragen.

Nummernschild

Wo Kiwi draufsteht… Individualisierte Autokennzeichen sind ein oft und gern gesehener Anblick auf Neuseelands Straßen. | © Kiwiblogger

Viele der rollenden Schlagwörter sind eindeutig und bedürfen keiner Gehirnakrobatik um hinter ihren Sinn zu kommen: HOTCAR, ONLINE, SEAFOX und OHWELL sagen unmissverständlich etwas über Fahrzeug oder Fahrer aus.

Da nur sechs Buchstaben zu Verfügung stehen, muss mitunter hemmungslos gekürzt werden: SUNGRL, SUPRMN, VLCANO, JETGAL und N1 KIWI.

Manchmal braucht es auch die eine oder andere Zahl, um ein Wort als solches lesbar zu machen: KIW1, SOB3R, SA1L ON oder DV1NC1.

Die Gefahr eines Auffahrunfalls ist immer dann besonders groß, wenn man versucht die ganz kryptischen Kennzeichen zu interpretieren: 4ABABY (for a baby – eine Hebamme wirbt für ihren Dienst), I H8 PPL (I hate people – der Fahrer eines V8-Kraftpakets macht seine Abneigung gegen Fußgänger klar), LUV2BI (love to buy – das Bekenntnis eines/einer Einkaufssüchtigen).

Viele Reisende aus Ländern, in denen die Zulassungsstellen keine individuellen Kfz-Kennzeichen ausstellen, finden so etwas recht amüsant, würden selbst aber kaum auf die Idee kommen, verschlüsselte Botschaften oder gar ihren Namen auf Bug und Heck des Autos offen zur Schau zu tragen.

Damit aber nicht einmal genug: auch im schönen Land der Kiwis arbeiten Prägefirmen und Behörden nicht umsonst. Sein persönliches Outing per Nummerntafel lässt sich der neuseeländische Wagenbesitzer einiges kosten. 600 Dollar für drei Buchstaben, gefolgt von drei Zahlen und 800 Dollar für sechs Buchstaben.

Es ist offensichtlich nicht ganz billig, den anderen Verkehrsteilnehmern in Neuseeland LOVE U zu sagen.


Seit knapp einer Dekade wohnt Rudi Hofer in Auckland, Neuseeland. Jüngst lieferte er uns mit dem »Fettnäpfchenführer Neuseeland« den ultimativen Knigge zum richtigen Umgang mit den Kiwis – den mit, aber vor allem den ohne Flügeln. An dieser Stelle blogt der Autor für CONBOOK regelmäßig »vom schönsten Ende der Welt«.

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Rudi Hofer, geboren in Nord-, aufgewachsen in Süddeutschland, lebt zusammen mit seiner Frau Heike seit knapp einer Dekade in der Region Auckland, Neuseeland. Sein beruflicher Weg führte über die Ausbildung zum Grafischen Zeichner zur baldigen Selbständigkeit und dem Schreiben von Werbe- und Katalogtexten als langjährigem Tätigkeitsschwerpunkt. Parallel zu neuen Unternehmungen in anderen Branchen, wie beispielsweise Luftfahrt und Fitness, blieb Rudi Hofer weiterhin als freier Texter tätig. Nach seinem sorgfältig geplanten Umzug auf die Südhemisphäre der Erde war die Zeit reif für das Schreiben umfangreicher Werke, wie dem in Kürze vorliegenden Fettnäpfchenführer Neuseeland.

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