Regentag in Neuseeland

Regentag in Neuseeland

Nein, wir reden nicht übers Wetter! Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser (geboren am 15. Dezember 1928 als Friedrich Stowasser) kam dereinst aus einem kleinen Alpenstaat nach Aotearoa, um das Städtchen Kawakawa aus seinem Dornröschenschlaf wach zu küssen. Von 1975 an erkor der Künstler diesen Ort in Neuseeland zu seiner Wahlheimat.

Am 19. Februar 2000 starb Hundertwasser auf der Rückreise von Neuseeland nach Europa an Bord der Queen Elizabeth 2 an Herzversagen. Seinem letzten Wunsch entsprechend, wurde er auf seinem Grundstück an der Bay of Islands beerdigt.

Die beschauliche Kleinstadt Kawakawa in der Northland Region profitiert noch heute von dem Umstand, dass der österreichische Künstler und Architekt dort für viele Jahre gelebt hatte und dem Örtchen ein gewisses Örtchen hinterließ: die nicht nur Österreichern bekannte Hundertwasser-Toilette.

Hundertwasser-Pavillon

Pavillon-Pracht posthum. Wahlneuseeländer Hundertwasser wäre stolz auf sein neuestes Werk.

An diesem Punkt holt die Aktualität die bisherigen Ereignisse ein: es gibt nämlich ein neues Hundertwasser-Objekt – sozusagen posthum erschaffen aus der Hand des kreativen Österreichers. Es handelt sich bei dieser künstlerischen Wiederbelebung um einen frisch erbauten, farbenfrohen Pavillon auf dem Gelände der Birkdale Intermediate School an der North Shore von Auckland.

Die Pläne zu diesem Projekt wurden der Schule aus dem Archiv der Hundertwasser Privatstiftung in Wien zur Verfügung gestellt, zu deren Realisierung sich der Schulleiter Richard Coote zwei kompetente Partner ausgesucht hat. Sowohl der Baufachmann Mike Brouwers, als auch Richard Smart, Architekt und Vertreter der Hundertwasser Foundation NZ, waren mit dem Künstler befreundet und arbeiteten eng mit ihm schon beim Bau der Hundertwasser-Toilette in Kawakawa zusammen.

Richard Coote ist davon überzeugt, dass die Errichtung des Pavillons keineswegs von jedem durchschnittlichen Auftragspartner hätte durchgeführt werden können. Hundertwasser war bekannt für seine Aversion gegen gerade Linien und verpönte uninspirierte Arbeitsmethoden. Schon deshalb schloss sich zur Ausführung seiner Kreationen die Verwendung herkömmlicher Werkzeuge praktisch aus.

Der Birkdale Direktor ist davon überzeugt, dass der starre Glaube an leblose Geometrie fehl am Platz gewesen wäre: »Hundertwasser hätte gesagt ›Wirf die Wasserwaage weg und schau dir dein Werk mit den Augen an! Und wenn es gut aussieht, dann ist es auch gut!‹«

Mike Brouwers kann dies als Mann der Praxis bestätigen und berichtet, dass ihn der Künstler so manchen Arbeitsschritt beim Bau der Kawakawa-Toiletten wiederholen ließ, nur weil vieles nicht so aussah, wie der Meister es wünschte. Hundertwasser machte ihm immer wieder klar, dass die Augen seine wichtigsten Werkzeuge waren.

»Während der Arbeiten am Birkdale-Pavillon war Hundertwasser stets in unseren Köpfen und Herzen präsent«, sagt Bauspezialist Brouwers, der davon überzeugt ist, ein Werk geschaffen zu haben, auf das Hundertwasser stolz sein würde.

Daran dürften kaum Zweifel bestehen. Der originelle Rundbau lässt sicher die Herzen der Hundertwasser-Fans höher schlagen, trägt er doch die berühmten Markenzeichen seines Schöpfers, die ihn so unverwechselbar machen: bunte, glänzende Säulen (deren Keramikteile übrigens in Deutschland gebrannt wurden), einen bepflanzten Naturgarten als Dach und jenen russisch anmutenden Zwiebelturm aus Kupfer und Blattgold.

Noch ist das neue Meisterwerk nicht fertig. Architekt Richard Smart wünscht sich und allen Beteiligten, den Pavillon möglichst bald mit einem Boden im typischen Hundertwasser-Design vervollständigen zu können: »Die Fläche mit gewöhnlichen Pflastersteinen oder Platten zu belegen schießt sich bei solch einem Objekt natürlich aus – es wäre im Grunde nur Materialverschwendung!«

Doch das Problem ist wie so oft das Geld. Schulleiter Richard Coote hofft jedoch diese Hürde durch Spenden und vor allem mit Unterstützung der umliegenden Gemeinden nehmen zu können. Eine wesentliche Voraussetzung dafür sieht er als gegeben an: »Unser Hundertwasser-Pavillon hat bereits während seiner Entstehung einen spürbar positiven Kick im Bewusstsein der Gemeinde ausgelöst.«

Er ist sich außerdem sicher, dass davon auch die Schüler in ihrem Lernprozess profitieren: »Um die Lernfähigkeit zu verbessern ist es der beste Weg, Neugier und Kreativität in den Köpfen der Schüler anzuregen.«

Da hat der Direktor sicher recht, denn eines schafft dieser originelle Pavillon bereits jetzt: Täglich kommen Leute von überall her, um das Werk zu bewundern, seine Ausstrahlung zu genießen und sich über Hundertwassers symbolische Auferstehung zu freuen.

Wer per monetärer (Klein-)Hilfe dazu beitragen möchte, dass der Pavillon bald einen hundertwassergerechten Boden unter die Säulen bekommt, kann dies über die Webseite der Schule http://www.bis.school.nz/wordpress/ freilich gerne tun.

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Rudi Hofer, geboren in Nord-, aufgewachsen in Süddeutschland, lebt zusammen mit seiner Frau Heike seit knapp einer Dekade in der Region Auckland, Neuseeland. Sein beruflicher Weg führte über die Ausbildung zum Grafischen Zeichner zur baldigen Selbständigkeit und dem Schreiben von Werbe- und Katalogtexten als langjährigem Tätigkeitsschwerpunkt. Parallel zu neuen Unternehmungen in anderen Branchen, wie beispielsweise Luftfahrt und Fitness, blieb Rudi Hofer weiterhin als freier Texter tätig. Nach seinem sorgfältig geplanten Umzug auf die Südhemisphäre der Erde war die Zeit reif für das Schreiben umfangreicher Werke, wie dem in Kürze vorliegenden Fettnäpfchenführer Neuseeland.