Kiwis auf dem Siegertreppchen

Kiwis auf dem Siegertreppchen

Neuseeland springt auf Platz 3 im Wohlstandsindex 2014. Das bedeutet eine markante Verbesserung vom fünften Platz im vergangenen Jahr. Welch eine Leistung! Überflügelt wird Neuseeland nur von Norwegen und der Schweiz. Spätestens jetzt wird sich der deutsche und österreichische Leser am Hinterkopf kratzen, deren Heimatländer es nicht einmal in die Top Ten geschafft haben.

Das Land der Dichter und Denker schafft es nämlich gerade mal auf Platz 14, die Alpenrepublik folgt auf Platz 16. Wo ist nur unser Wohlstand hin, werden sich nach dieser Meldung Deutsche und Österreicher fragen – oder: Was hat New Zealand, das Germany und Austria nicht haben? Dreht sich wieder einmal alles um Geld und Wirtschaftsmacht?

Nicht ganz! Nach Ansicht des Londoner Legatum Institutes definiert sich Wohlstand weit über monetäre und ökonomische Kriterien hinaus. Dementsprechend ermitteln die Briten schon seit sechs Jahren einen Wohlstandsindex, der sich aus erstaunlichen 89 Faktoren zusammensetzt – ausgehend von den übergeordneten Themen: Wirtschaft, Gesundheit, Unternehmergeist, Regierung, Bildung, Sicherheit, Persönliche Freiheit und Soziales Kapital.

Cape Reinga

Von Cape Reinga hoch im Norden… | © Heike und Rudi Hofer

Die Macher des Legatum Prosperity Index verarbeiten die Daten von 142 Nationen und ermitteln daraus den Pegelstand des Wohlbefindens ihrer Gesellschaften. Dabei erfreute sich Neuseeland schon immer guter Platzierungen in dieser Tabelle, was unter anderem auf einen besonders hohen Punktestand im Bereich der persönlichen Freiheit zurückzuführen war. Der Grund für den diesjährigen Sprung der Kiwis vom fünften auf den dritten Platz ist der starke Punktegewinn im Sub-Index ›Sozialkapital‹ – so die Analyse der Herausgeber des Berichts.

Doch was genau bedeutet eigentlich ›Sozialkapital‹? Der französische Soziologe Pierre Bourdieu weiß es genau: soziales Kapital bietet für die Individuen einen Zugang zu den Ressourcen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens wie Unterstützung, Hilfeleistung, Anerkennung, Wissen und Verbindungen bis hin zum Finden von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Es produziert und reproduziert sich auch über Tauschbeziehungen, wie gegenseitige Geschenke, Gefälligkeiten, Besuche und Ähnliches.

Das spiegelt tatsächlich einige charakteristische Wesenszüge der stets hilfsbereiten Neuseeländer wieder. Demnach ist es sicher nicht falsch, das kleine Inselreich am anderen Ende Welt als munter sprudelnde Quelle sozialen Kapitals zu sehen.

Sogar eine schöne Portion Seelenbalsam für Kiwis enthält der Legatum Index 2014. Obwohl es für das Wort Schadenfreude keine hundertprozentig passende Übersetzung gibt, dürfte sich genau dieses Gefühl nach der Veröffentlichung des Berichts beim einen oder anderen Neuseeländer eingestellt haben: der ›große Bruder‹ Australien, der selten eine Gelegenheit auslässt, Neuseeland in seinen Schatten zu stellen, muss sich nämlich leicht beschämt mit Platz 7 zufrieden geben.

Bluff

…bis Bluff im tiefen Süden: Neuseelands Wohlbefinden blüht und gedeiht. | © Phillip Capper, Wellington, New Zealand via Wikimedia Commons

Hier die ersten zehn auf der Liste von Prosperität und Wachstum:

1. Norwegen,
2. Schweiz,
3. Neuseeland,
4. Dänemark,
5. Kanada,
6. Schweden,
7. Australien,
8. Finnland,
9. Niederlande,
10. Vereinigte Staaten.

Und das sind die Schlusslichter des Wohlstands:

132. Angola,
133. Guinea,
134. Sierra Leone,
135. Haiti,
136. Togo,
137. Afghanistan,
138. Jemen,
139. Burundi,
140. Demokratische Republik Kongo,
141. Tschad,
142. Zentralafrikanische Republik.

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Rudi Hofer, geboren in Nord-, aufgewachsen in Süddeutschland, lebt zusammen mit seiner Frau Heike seit knapp einer Dekade in der Region Auckland, Neuseeland. Sein beruflicher Weg führte über die Ausbildung zum Grafischen Zeichner zur baldigen Selbständigkeit und dem Schreiben von Werbe- und Katalogtexten als langjährigem Tätigkeitsschwerpunkt. Parallel zu neuen Unternehmungen in anderen Branchen, wie beispielsweise Luftfahrt und Fitness, blieb Rudi Hofer weiterhin als freier Texter tätig. Nach seinem sorgfältig geplanten Umzug auf die Südhemisphäre der Erde war die Zeit reif für das Schreiben umfangreicher Werke, wie dem in Kürze vorliegenden Fettnäpfchenführer Neuseeland.