Katalanisch schwere Sprache?!

Katalanisch schwere Sprache?!

Auch wenn meine Freunde hier anderer Meinung sind, ich kann nach einem Jahr leider nur einen kleinen Fortschritt meiner Spanischkenntnisse feststellen. Ich schiebe es darauf, dass die Hauptsprache hier Katalanisch ist und ich dadurch nicht so nebenbei das ein oder andere neue Wort aufschnappen kann.

Katalanische Wörter aufzuschnappen fällt mir schwer. Die Aussprache ist oft so unterschiedlich, dass ich die meisten Wörter sofort wieder vergesse. Ich brauche Eselsbrücken, die ich im Katalanischen selten finde.

Abgesehen davon habe ich noch immer Probleme mit simplen Dingen wie Begrüßungen. Wer in einer Region aufgewachsen ist, in der „Moin!“ zu jeder Tages- und Nachtzeit reicht, scheint länger zu brauchen, um zu kapieren, dass buenas días (Guten Tag/Guten Morgen) nur bis mittags gilt, buenas tardes (Guten Nachmittag/Guten Abend) nach dem üppigen Mittagsmahl zu benutzen ist und buenas noches (Gute Nacht) dem Gegenüber nicht unbedingt ein geruhsame Nacht wünscht.

Dazu muss ich mir auch noch merken, das ganze auf Katalanisch zu sagen: bon dia, bona tarda, bona nit. Ich muss gestehen, nur das bon dia kommt mir fehlerfrei von den Lippen. Allerdings auch ganztägig. Der Einfachheit halber.

Die Verabschiedungsfloskel ist da schon etwas unkomplizierter: adiós beziehungsweise adéu. Meine Verwirrung flammt jedoch wieder auf, wenn ich einen Bekannten auf der Straße treffe und er mir im Vorbeigehen ein adéu entgegen schleudert. Statt mich erst einmal zu begrüßen, verabschiedet er mich gleich. In Deutschland sagte niemand „Tschüß!“ während man aneinander vorbei geht, da sagt man freundlich „Hallo!“. Aber natürlich ist auch hier diese Grußformel durchaus freundlich gemeint und bedeutet schlicht: „Hallo! Ich hab dich gesehen, muss aber weiter! Bis dann!“. Ganz Eilige lassen auch das A weg und rufen nur „Déu!“.

Das entspricht ganz meinem Wunsch nach Simplifizierung. Es ist mein katalanisches „Moin“. Und ich erfreue mich an einem weiteren, fehlerfreiem Wort.

P.S. Ein Gutes haben meine vielen Fehler. Sie erheitern meine Gesprächspartner immer wieder. Kürzlich diskutierte ich mit Neus und Ignacio, einem weiteren Bekannten, die Krim-Krise (erstaunlicherweise beschränken sich die Gespräche trotz fehlender Kenntnisse nicht nur auf das Wetter). Als ich anmerkte, dass die internationale Gemeinschaft mit Putins Vorgehen nicht einverstanden sei und ich dabei sogar noch stolz war, das Verb „zustimmen“, „acordar“, grammatikalisch richtig, mit einer Änderung von o auf ue bei der dritten Person Plural, zu benutzen, also acuerdan, fing Ignacio an zu kichern.

„Deine Wortschöpfungen sind großartig“, kommentierte er. Und ich lernte, dass „zustimmen“ beziehungsweise „einverstanden sein“, wie im Deutschen, mit dem Verb „sein“ und einem Partizip gebildet wird, also estar de acuerdo. Die Fehler sind somit auch gut für mich: ich lerne. Und in diesem Fall hilft mir das Deutsche als Eselsbrücke. Mal schauen, ob ich mich beim nächsten Mal tatsächlich daran erinnere.

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Dieser Artikel wurde geschrieben von

Anja Obst, 1967 in Lübeck geboren, studierte Wirtschaftssinologie in Bremen. Ihre anschließende Arbeit führte sie nach China, wo sie von 1998 bis 2011 in der Hauptstadt Peking lebte. Dort arbeitete sie viele Jahre im ARD-Auslandsstudio und als Wirtschaftsberaterin. Dabei zog sie es von Anfang an vor, nicht in der oftmals isolierten Welt der Ausländer zu leben, sondern zwischen den Einheimischen in einem hútòng - einem Pekinger Altstadtviertel.