»Podemos« – »Wir können« – Ich allerdings nicht …

»Podemos« – »Wir können« – Ich allerdings nicht …

Die Kommunalwahlen in Spanien haben nicht nur im In- sondern auch im Ausland für Schlagzeilen gesorgt. Kein Wunder, musste doch die konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy kräftig Federn lassen. Der Parteiname Podemos, zu deutsch: wir können, kann somit auch wörtlich gesehen werden.

In Madrid und Barcelona schnitt die Linkspartei mit überraschend vielen Stimmen ab. Zwar bleibt die PP weiterhin die stärkste Kraft, doch die neuen Parteien wie Podemos oder die zivilgesellschaftliche Plattform Barcelona en Comú (Barcelona Gemeinsam), beide 2014 gegründet, gelten als die Gewinner.

Politischer Wandel

Der Anführer der »Könner«, Pablo Iglesias Turrión, sieht in dem Wahlergebnis einen grundsätzlichen politischen Wandel und verkündete das »Ende des ewigen Zweiparteiensystems«.

Auch Experten und Analysten sehen in den Kommunalwahlen in 13 von 17 spanischen Regionen eine Tendenz für die Parlamentswahlen im Herbst. Das Abdriften nach links ist in ausländischen Medien ähnlich spektakulär wie eine Stärkung rechtsradikaler Parteien.

Meine Freundin Neus hat dafür eine einfache Erklärung: Pablo Iglesias sei ein charismatischer Mensch, der dem Volk das erzähle, was es hören wolle. Nämlich der Sparpolitik und den nicht endenden Reformen den Garaus zu machen.

Das träfe genau den Punkt der Unzufriedenheit vieler Spanier. Außerdem setze sich Podemos für Kataloniens Unabhängigkeit ein. Ein Argument für die hiesige Bevölkerung, wenn auch nicht für Neus. »Linksradikal ist genauso schädlich wie rechtsradikal«, sagt sie. Und nur dumme Menschen glaubten ihnen, so ihre etwas drastische Zusammenfassung.

In dem Wahlergebnis von Sant Pol kann ich Podemos allerdings gar nicht entdecken. Erst nach einer langen Reise durch das Internet wird mir klar, dass die Partei mit in dem Bündnis von Barcelona en Comú steckt.

Parteien und Bündnisse

Überhaupt empfinde ich die spanischen Parteien und politischen Bündnisse als äußert verwirrend. Die in Sant Pol stärkste Partei, Convergència i Unío (CiU), der Artur Mas vorsteht, ist da grundsätzlich schon leichter einzuordnen. Aber auch diese Partei ist letztlich ein Zusammenschluss des Demokratischen Pakts Kataloniens (CDC) und der Demokratischen Union Kataloniens (UDC), die ihre eigenen Schwerpunkte verfolgen, sich aber in der Frage nach der Unabhängigkeit Kataloniens vereinen.

Screengrab

Quelle: »resultados.elpais.com«

An den Junts, die Platz zwei in Sant Pol belegen, beiße ich mir fast die Zähne aus, bis ich schließlich auf abc.es lese, dass sich diese aus den ebenfalls bei den Kommunalwahlen sehr erfolgreichen Ciudadanos (Staatsbürger) sowie drei anderen Parteien zusammensetzt. Ich kürze meinen Spaziergang durch den Parteiendschungel Spaniens ab und suche eine Seite, in der alle gelistet sind. Die klicke ich gleich wieder weg, als ich deren Länge sehe. Ich bin schon verwirrt genug.

Was ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jetzt glaube, korrekt von mir geben zu können, ist, dass die Sitze in Sant Pol’s Regierung alle an linke und lokalpatriotische Parteien gegangen sind. Und somit das Ergebnis der Kommunalwahlen bestätigen.

Eigentlich hatte ich mich schon geschämt, mein demokratisches Recht, zu wählen, nicht genutzt zu haben. Mittlerweile bin ich aber überzeugt, dass ich vielleicht mehr Schaden als Gutes angerichtet hätte. Ob ich in diesem Wirrwarr die mich ansprechende Partei wirklich gefunden hätte, bezweifele ich nämlich mit einer Sicherheit, die nicht an Wahrscheinlichkeit grenzt.

Hier ein Artikel auf tagesschau.de über den Ausgang der Kommunalwahlen in Spanien: www.tagesschau.de/ausland/spanien-wahlen-103.html

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Anja Obst, 1967 in Lübeck geboren, studierte Wirtschaftssinologie in Bremen. Ihre anschließende Arbeit führte sie nach China, wo sie von 1998 bis 2011 in der Hauptstadt Peking lebte. Dort arbeitete sie viele Jahre im ARD-Auslandsstudio und als Wirtschaftsberaterin. Dabei zog sie es von Anfang an vor, nicht in der oftmals isolierten Welt der Ausländer zu leben, sondern zwischen den Einheimischen in einem hútòng - einem Pekinger Altstadtviertel.

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