»Was, bitte, ist ein Senfhund???«

»Was, bitte, ist ein Senfhund???«

Das Nutzen von Redensarten und Sprichwörtern ist für mich die Königsdisziplin in dem stetigen Fluss des Lernens einer neuen Fremdsprache. In der chinesischen Sprache gibt es zum Beispiel haufenweise Metaphern, die aber nur ein Könner verwenden sollte.

Nachdem ich einmal den sinngemäßen Ausdruck »einen Saum nahtlos nähen« für etwas Positives gehalten habe und munter Werbebroschüren damit bedruckte, bis meine Freundin Mi Song mir sagte, dass damit ein Betrüger gemeint sei, habe ich diesen »Leistungskurs« ganz schnell wieder abgewählt.

Im Spanischen ist es etwas einfacher, denn auch hier verderben zum Beispiel muchos cocineros den Brei. Allerdings werden in Spanien »zwei Vögel« mit einem Schlag getötet, etwas brutaler, als unsere Fliegen mit der Klappe zu erwischen. Im Vergleich zum Chinesischen sind es jedoch nur geringfügige Unterschiede.

Für mich gut passend ist der Ausdruck für »erzähl doch keinen Mist«: »¡No me cuentes cuentos chinos!« – »Erzähl mir keine chinesischen Märchen!« Wer in Spanien »eine Nacht über etwas schlafen möchte«, der »befragt sein Kopfkissen«. Die »Made im Speck« ist hier »die Biene in der Blume«. Das »Abwarten und Tee trinken« wird in Spanien mit »Geduld und einem Glas Bier« zelebriert. Und während bei uns »Hochmut vor dem Fall kommt«, fliegt in Spanien der »Reiher hoch, wird aber trotzdem vom Falken getötet«.

Ich liebe solche Sprichwörter und vor allem auch Wortspiele. Doch aufgrund unterschiedlicher Übersetzungen geht der Schuss auch gerne mal nach hinten los. Wie bei dem Lieblingsausdruck für meinen vierbeinigen Begleiter Askim.

Mein Freund Taja brachte mir mal den Ausdruck »Senfhund« bei. Und es wird stimmen, dass jeder Hund aus Askims Heimatdorf seinen Senf dazu beigetragen hat, ihn zu kreieren. Und die Frage nach seiner Rasse beantworte ich ungern einfach nur mit »Mischling«. Er ist für mich schlicht und ergreifend ein Senfhund.

»Perro de mostaza«, die wörtliche, aber völlig unsinnige Übersetzung wird natürlich dementsprechend verwirrt aufgenommen. In Spanien »wirft man nämlich seinen Degen« dazu. Bezüglich der Zeugung meines Hundes weckt das allerdings auch recht passende Bilder.

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Anja Obst, 1967 in Lübeck geboren, studierte Wirtschaftssinologie in Bremen. Ihre anschließende Arbeit führte sie nach China, wo sie von 1998 bis 2011 in der Hauptstadt Peking lebte. Dort arbeitete sie viele Jahre im ARD-Auslandsstudio und als Wirtschaftsberaterin. Dabei zog sie es von Anfang an vor, nicht in der oftmals isolierten Welt der Ausländer zu leben, sondern zwischen den Einheimischen in einem hútòng - einem Pekinger Altstadtviertel.

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